Die Hamburger Pfeilerbahn

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  • Liebe EEP- Freunde,


    ich möchte euch heute und in weiteren Folgen meine demnächst fertig werdende, für den Shop vorgesehene neue historische Anlage vorstellen und euch damit auch wieder einmal auf eine kleine Zeitreise mitnehmen. Eine Zeitreise zur sogenannten „Pfeilerbahn“ in Hamburg um die Jahre 1958- 1962:







    Ein Vorbild als Vorbild:

    Jeder Reisende, der sich mit dem Zug von Süden oder Westen dem Hamburger Hauptbahnhof näherte, musste sie benutzen: Die Pfeilerbahn.

    Für Eisenbahnfreunde war dieser zwischen den Elbbrücken und der Oberhafenbrücke gelegene Teil der Hamburger Bahnanlagen eine Kultstrecke erster Güte, paradierte hier doch zu Zeiten der alten Bundesrepublik die Creme der deutschen Reisezüge: „Helvetia“, „Parsifal“, „Blauer Enzian“, „Gambrinus“, „Holland-Skandinavien Express“, „Nord Express“, und mehr… So hießen die TEE- und F- Züge aus Basel, München, Frankfurt, Amsterdam oder Paris, deren Ziel die Hansestadt oder die Städte Skandinaviens waren.



    Ihren Namen verdankte die Pfeilerbahn dem Umstand, dass ein Gleispaar der zum und vom Hauptbahnhof verlegten Strecken aufgeständert auf gemauerten Bögen geführt wurde. Diese 1906 errichtete, mehrere Kilometer lange Viaduktstrecke durchschnitt den Hamburger Hauptgüterbahnhof mit den nach Eröffnung des Hauptbahnhofs 1906 als Eilgutbahnhof weiter verwendeten baulichen Anlagen des ehemaligen Hannoverschen (Venloer) Bahnhofs, hatte aber keine direkte Gleisverbindung mit diesem Bereich.

    Dafür sorgte vielmehr ein zweites, ebenerdiges Gleispaar, das, flankiert durch die zwei markanten Stellwerksbauten der Befehls- und Fahrdienstleiterstellwerke Hob und Hw, mitten durch die Aufstellgleise des Hauptgüterbahnhofs führte und dessen Äste an zwei Stellen die Viaduktstrecke unterquerten. Dieses Gleispaar diente zwar hauptsächlich dem Güterverkehr, jedoch wurden bei dichter Zugfolge auch viele Reisezüge über diese Gleise geleitet.

    Eine Besonderheit bildeten dabei die über die „Vogelfluglinie“ nach Großenbrode Kai und weiter nach Kopenhagen und Stockholm fahrenden Züge, die im Hamburger Hbf. wendeten: Da es keine ausreichend lange Gleisverbindung zwischen der Südseite und der Nordseite des Hauptbahnhofs gab, fuhren die Skandinavien- Züge nach Verlassen des Hauptbahnhofs wieder „zurück“ durch den Hauptgüterbahnhof und benutzten dann die Güterumgehungsbahn via Oberhafenkanalbrücke und Rangierbahnhof Rothenburgsort, bis sie auf der Höhe von Hamburg Wandsbek in die Lübecker Strecke einbiegen konnten.

    Ähnlich musste mit den über Hamburg hinaus fahrenden Güterzügen umgegangen werden: Für diese besaß der Hauptgüterbahnhof zwei lange Kopfgleise, die an ihrem Ende mit einflügeligen, fest auf „Halt“ gestellten Hauptsignalen gesichert waren. Auch diese bildeten für die eingefahrenen Güterzüge eine Spitzkehre. Bei der Ausfahrt eines hier gewendeten Güterzuges half der neu angesetzten Zuglok meist die bisherige Lok, die sich ja jetzt am Ende des Zuges befand, den Zug wieder in Schwung zu bringen, bevor sie zurückblieb und sich bis zur Übernahme eines neuen Zuges in ein Wartegleis „verabschiedete“.





    Neben dem Hauptgüterbahnhof lag auch, nur durch einen hohen, parallel neben der Pfeilerbahn verlaufenden Zollzaun getrennt, der im Freihafenbereich an der Versmannstraße gelegene Rangierbahnhof „Hamburg Kai rechts“.



    Nur eine eingleisige, durch diesen Zollzaun geführte Gleisverbindung zwischen Hauptgüterbahnhof und dem Bahnhof „Kai rechts“ sorgte, ebenfalls nur durch eine Spitzkehrenfahrt erreichbar, dafür, dass die im Hafenbereich mit Waren aller Art beladenen Waggons ins Land gelangen konnten. Umgekehrt wurden hier die Waren für die „weite Welt“ zu den u.a. an den Kaischuppen des Sandtor-, Versmann- oder Kirchenpauerkais liegenden Dampfern rangiert.

    Nun, diese ganze Herrlichkeit der jungen BRD der 1950er und 1960er Jahre existiert heute so nicht mehr: 1964 erreichte der Fahrdraht die Hansestadt, wofür die Pfeilerbahn in einem aufwändigen Verfahren noch einmal „ertüchtigt“ wurde. In den 1990er Jahren wurde auch die Verbindung zwischen Nord- und Südteil des Hauptbahnhofs so umgebaut, dass die Reisezüge zur und von der „Vogelfluglinie“ regulär nur noch selten die Güterumgehungsbahn benutzen müssen. Auch fädelt seit der Jahrtausendwende die Güterumgehungsbahn mit Hilfe einer neuen Oberhafenkanalbrücke direkt in die Gleise Richtung Elbbrücken ein und umgeht so die Spitzkehre im Hauptgüterbahnhof. Und seitdem in Hamburg Platz für die neue HafenCity geschaffen wird, verschwinden zunehmend auch die nicht mehr unbedingt benötigten Gleisanlagen in den älteren Hafenbereichen und im Hauptgüterbahnhof.

    Seit 2009 ist nun auch die traditionelle Form der Pfeilerbahn durch eine weniger aufwändige, nur leicht erhöhte Gleisführung auf einem einfachen Damm und mit nur noch einem Gleis- Durchlass ersetzt worden.

    Anstelle des alten, bereits nach 1945 funktionslos gewordenen ehemaligen Haltepunkts „Elbbrücke“ an den Pfeilerbahngleisen ist mittlerweile in unmittelbarer Nachbarschaft an der S-Bahnlinie nach Harburg ein moderner Haltepunkt gleichen Namens entstanden.

    Die meisten Gleise des Hauptgüterbahnhofs sind heute abgebaut oder funktionslos. Der Bahnhof „Kai rechts“ mit all seinen Lagerschuppen an der Versmannstraße ist zugunsten schicker, moderner Zweck- und Wohnbauten der HafenCity, Geschichte. Auch die restlichen Versand- und Empfangsschuppen des ehemaligen Hannoverschen- und des Hauptgüterbahnhofs, längst ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung beraubt, verfallen zusehends und es ist eine Frage der Zeit, wann auch sie durch neue Bauten ersetzt werden.


    Ein Modell als Vorbild:

    Der bekannte Eisenbahnmaler Peter Bomhard, der uns EEPlern vor allem durch die Ausgestaltung der EEP- Blechdosen wohlbekannt ist, hatte schon in „Vor- EEP- Zeiten“ ein Gemälde dieser einzigartigen Bahnlandschaft angefertigt. Und auch das Motiv des Katalogbildes des Märklin Kataloges von 1932 von Josef Danilowatz scheint schon das an die Pfeilerbahn gelehnte Stellwerk Hob als Anregung verwendet zu haben.





    Auch für mich war und ist die Vorbildsituation der historischen Pfeilerbahn in ihrer noch nicht elektrifizierten Form eine Steilvorlage, deren Umsetzung ins Modell mich bereits seit vielen Jahren reizte. Den letzten Anstoß gab ein Gespräch mit Dirk Amend vor gut 2 Jahren, der ebenfalls auf diesen Streckenabschnitt aufmerksam geworden war.

    Eine Umsetzung dieser doch recht umfangreichen Gleisanlagen ins (EEP-) Modell stößt jedoch an „systembedingte“ Grenzen: Da EEP leider immer noch keinen „Mehrspielermodus“ (also mehrere User spielen gleichzeitig an derselben Anlage) anbietet, gerät das ganze monströse Unterfangen schnell in Gefahr, langweilig zu werden, da man als „lonely wolf“ vor dem Computer ja doch stets kaum mehr als einen einzigen Zug gleichzeitig steuern und im Blick behalten kann. So liegen die Gleise dann doch oft sehr verwaist da, wenn man sein Hauptaugenmerk auf einen vorbildgerechten Betrieb mit Epoche gerechten Fahrzeugen richten möchte und seine Befriedigung nicht schon im Bau der Anlage selbst findet.

    Die Lösung dieser Problematik lag zum einen darin, diese Anlage als reine Automatikanlage zu erstellen, auf der die wichtigsten, historisch belegten, Zuggarnituren die Anlage durcheilen und, wie in einer „Endlosschleife“, nach einem gewissen längeren Zeitabstand wiederkehren können.

    Zum anderen sollten die Gleisanlagen und vor allem die Darstellung der Umgebung aber trotzdem auf ein machbares Maß reduziert werden, das aber dennoch alle wesentlichen Fahrtbewegungen des Vorbilds nachempfinden und zugleich auch ein „Hamburg- Feeling“ aufkommen lässt.

    Genau diese beiden Bedingungen erfüllt eine andere, wohlbekannte Bahn, nämlich die Spur 1- Modellanlage des MEHEV im Museum für Hamburgische Geschichte. Bei dieser sehenswerten Anlage handelt es sich um nicht mehr und nicht weniger als die älteste Modellbahn- Vorführanlage in Deutschland, deren Baubeginn bereits um 1946 lag. Auf einer ihrer beiden Anlagenzungen wurde ebenfalls die Strecke der Hamburger Pfeilerbahn zum Vorbild genommen.



    Da die neue Museumsleitung momentan mit den Räumlichkeiten, in denen diese einzigartige Anlage steht, anderes vorhat, ist sie leider akut Abriss gefährdet. Deshalb ist es mir auch aus diesem Grund ein besonderes Anliegen, ihr mit meinem EEP- Entwurf ein wenig zu huldigen und auch ihr ein kleines virtuelles Denkmal zu setzen.

    Ob und wie dies gelungen ist, mögen die abgebildeten Screenshots zeigen. Weitere Bilder folgen dann in den nächsten Tagen.

    Jörg (JW3)

    (Fortsetzung folgt)

  • Da kann ich mich nur anschließen. Als alter Hamburger und Eisenbahnfan für mich äußerst interessant.:aq_1:

    Windows 10 Pro, Build 18363, 64 bit, AMD FX-8800 Quad Core, 16 GB DDR4 RAM, 1 TB Festplatte,

    8 Kern Graphik Radeon DX 12, USB 3.1, EEP 15 + EEP 16.4, PlugIn 2 installiert, HomeNos 16, Blender 2.91, Modell-Explorer, PaintNet

  • Hallo Jörg,

    Super, da freue ich mich schon drauf. Das sieht schon alles sehr vielversprechend aus. Das ist wieder einmal Epoche3 in Reinkultur👍

    VG Lothar (DB54)

    EEP6, EEP14, EEP15.Patch3, EEP16.Patch3 - PC: Win 10 Pro 64 bit , SSD 2,5 SA3 Samsung 850 EVO, MB Asus Z390-F Gaming , CPU Intel Core i9- 9900k Coffee Lake, ASP 64 GB RAM , GK GeForce RTX 2080Ti Gaming Pro

  • Hallo Jörg,


    klasse Themenwahl - damit hatte ich mich auch schon öfter beschäftigt. Gab in den letzten Jahren (Jahrzehnten) immer wieder Publikationen diverser Eisenbahnzeitschriften dazu. Oder auch hier: link-zusi! :aa_1:


    Gruß

    Andreas

    EEP (13) / 16.4, PI 1 u. 2 - HomeNOS 13 - TM14.3.2.1.4 - MK 2.03.006 - Blender 2.79
    win 10 64-bit * Intel Core i7-9750H CPU 2.60GHz - 16GB RAM - NVIDIA GTX 1660Ti

  • Moin Jörg,


    das Thema biete sich gerade an für 1 "Paradestrecke"...:aa_1:

    Uwe aus Uelzen in der Lüneburger Heide:aq_1:


    "es ist und bleibt mein Hobby :bj_1:"


    Meine Modelle sind u. a. mit Texturen von http://www.textures.com entstanden.

    "One or more textures on this 3D model have been created with photographs from Textures.com.

    These photographs may not be redistributed by default; please visit http://www.textures.com for more information."


    AMD FX(tm) 4300 4-Core 3,8 Ghz, 32GB RAM, Win10Pro20H2

    GeForce GTX 1050i 4GB 430.86


    EEP16.4 Plug-In1, Modell- u. Zug-Explorer, Höhengen.HStoni54:ap_1:

  • Danke für eure positiven Reaktionen:

    >>Gab in den letzten Jahren (Jahrzehnten) immer wieder Publikationen diverser Eisenbahnzeitschriften dazu.<<

    Danke für den Link, Andreas. Ich kenne den Artikel natürlich, aber für die User, die sich schnell mal über das Vorbild informieren möchten, ist er eine gute Zusammenfassung. Die Quellen, die ich benutze, habe ich übrigens am Ende meines Beitrages zusammengefasst zitiert. Dies sei nur erwähnt, da sich der Forenadministrator an anderer Stelle Sorgen macht, weil wohl in vielen Beiträgen "vergessen" wurde, auf die verwendeten Bild- und Textquellen hinzuweisen...

    >>Das Thema biete sich gerade an für 1 "Paradestrecke"<<

    Ja, das Anlagenthema ist eine "Paradestrecke" erster Güte! Die Anlage ist so geschaltet, dass mindestens 3, meistens 4 Züge ständig fahrend zu beobachten sind. Trotz der hohen "Schlagzahl" wird die Beobachtung (hoffentlich) nicht langweilig, denn die Züge kommen z.T. in wechselnder Reihenfolge auf die "Bühne". Das Automatik- Fahrprogramm läuft in einer "Endlosschleife". Im Moment teste ich diese Automatik und ich hoffe, dass sich da nicht doch noch irgendein Fehler eingeschlichen hat.

    Morgen gehts hier aber erst einmal weiter mit dem 2. Berichtsteil über die Anlage.

    Jörg (JW3)

  • Hallo,

    tolles Thema, mit toller Umsetzung und sehr Norddeutsch.:aq_1::be_1:

    :bm_1: Gruß Jürgen


    Laptop: ASUS GL552VW, intel core i7-6700HQ CPU @ 2,60 GHz - 3,30 GHz, Arbeitsspeicher: 32 GB DDR4 , SSD 1 TB, HDD 1TB,
    Graphikkarte: NVIDIA Geforce -GTX 960M mit 4G GDDR5 VRAM,
    Auflösung: 1920 x 1080
    Windows: 10 Home, 64Bit, Version 1909
    EEP: 6, 7, 8, 9,10,11,12, 13, 14.1 ,15.1,
    16.4 Expert, PlugIn 1, 2, 3 , Modellkatalog, Modellexplorer, Modellkonverter, Tauschmanager.





  • Die Hamburger Pfeilerbahn

    (Fortsetzung aus Teil 1)

    In meinem vorherigen Beitragsteil war ich auf das reale Hamburger Vorbild meiner „Pfeilerbahn“- Anlage eingegangen sowie auf die ebenfalls als Vorbild dienende Spur 1- Modellbahnanlage im „Museum für Hamburgische Geschichte“.


    Beide Vorbilder als EEP- Modell:

    Eine Bahnstrecke, zumal nach historischem, so nicht mehr existierenden Vorbild auch nur annähernd nachzubilden, erfordert doch einen nicht unerheblichen Recherche- Aufwand, selbst wenn, wie im Falle der Pfeilerbahn, die Bahn in der Literatur hinreichend gut dokumentiert ist. Namentlich der bekannte Direktionsfotograf Walter Hollnagel hat hier in den 1950er Jahren auch eine ganze Anzahl aussagekräftiger Fotos angefertigt, die heute im Archiv der „Eisenbahnstiftung“ erhalten werden und zusammen mit anderen zeitgenössischen und aktuellen Aufnahmen eine wesentliche Nachbau- Hilfe abgaben.

    (Hinweis: Die Quellenangaben befinden sich am Ende des Gesamtbeitrages)




    Aus den detaillierten Gleisplänen der BD Hamburg von der Strecke sowie dem vereinfachten Gleisplan der Museumsanlage baut der Gleisplan meiner EEP- Anlage auf.



    Er ist damit quasi ein Kompromiss, wurde aber -man hat ja in EEP doch noch etwas mehr Platz als selbst in einem großen Museumssaal- gegenüber dem Modellbahnplan um einige weitere wesentliche Streckenäste des realen Vorbildes um 1960 erweitert: Vor allem betrifft diese Erweiterung die „Güterumgehungsbahn“- Ausfädelung über den Oberhafenkanal, die für die Darstellung der Spitzkehrensituation sowie für die Fahrt der Skandinavienzüge unverzichtbar ist. Auch wurden die auf der Spur 1- Anlage unvollendet gebliebenen Gleisanlagen im Bereich des Venloer Bahnhofs und die Gleisanlagen des Freihafenbahnhofs „Kai rechts“ an der Versmannstraße etwas ausgeprägter nachempfunden (ohne jedoch die vollständige Ausdehnung des Vorbilds zu erreichen).

    Darüber hinaus wurde die gemalte Kulisse der Museumsanlage, die ein Identitäts- Gefühl auch ohne allzu ausgedehnte Randbebauung aufkommen lässt, mittels vor Ort, d.h. beim „Lokaltermin“ an der Anlage von mir aufgenommener und nachträglich per Photoshop bearbeiteter Fotos in meiner EEP- Anlage nachempfunden und sogar im gleichen Stil noch erweitert.







    Leider konnte das auf der Museumsanlage hinter dem Kaischuppen 25 liegende prächtige 1:32- Modell des Bananendampfers „Watussi“ der Deutsch Ost- Afrika- Linie nur „gemalt“ auf der Kulisse nachgestellt werden, da es den für den Trendshop arbeitenden Anlagenbauern derzeit aus mir persönlich unerfindlichen Gründen leider nicht gestattet ist, eigenkonvertierte Modelle in den Shop- Anlagen zu verbauen, auch wenn diese noch so gut gestaltet sind. Besonders schmerzlich in diesem Zusammenhang ist dabei das Fehlen der Nachbildungen älterer Dampfschiffe, die Bernt Hoppe einst für EEP 6 gestaltet hatte.




    Wie erwähnt, waren in dem Zeitraum, in dem sowohl die Museumsanlage, als auch meine EEP- Anlage spielen, die beiden Haltepunkte „Elbbrücke“ und „Oberhafen“ schon lange geschlossen und z.T. rückgebaut. Die „künstlerische Freiheit“ der Museumsanlage, hier weiterhin einige Personenzüge halten zu lassen, nahm aber auch ich mir zum Vorbild und stattete die beiden Haltepunkte so ähnlich aus, wie auf der Museumsanlage, bzw. wie sie beim Vorbild bis zum Krieg in etwa aussahen.







    Die Züge der Zeit:

    Wie ich schon schrieb, ist das Fehlen älterer, einst für EEP 6 gestalteter Modelle in einigen Fällen doch recht schmerzlich, da es momentan uns Anlagenbauern kaum noch möglich ist, thematisch hinreichend passende Modelle in ausreichender Variabilität und Anzahl für die jeweilige Epoche -namentlich für die älteren Epochen 2 und 3- mit den Anlagen mitzuliefern. Was aber nützen mir Supermodelle, wenn sie thematisch nicht passen?

    Zu allem Überfluss wird selbst die Verwendung neuerer Modelle den Anlagenbauern nicht selten komplett verweigert oder in ihren Lizenzgebühren so teuer gemacht, dass eine wirtschaftliche Herausgabe einer Fertiganlage inzwischen nahezu unmöglich wird.

    Ich hoffe aber doch, dass es mir trotz dieser Widrigkeiten gelungen ist, das typische Erscheinungsbild der „Wirtschaftswunder“- Zeit -wenn auch mit Abstrichen- wenigstens annähernd zu treffen.

    Die Abstriche betreffen dabei weniger den Einsatz zeittypischer Schienenfahrzeuge: Hier habe ich zumindest im Reisezugwagen- Sektor mit meinen eigenfinanzierten, meist von Stefan Köhler oder Frank Mell konstruierten JW3- Modellen, für einen hinreichenden Bestand an Epoche 3- Fahrzeugen gesorgt, die nach zeitgemäßen EEP- Standards angefertigt wurden.

    Auch haben einige Lok- Konstrukteure wie Alex Geist, Ralph Görbing, Stefan Gothe und Tobias Uhle mir großzügig die Verwendung einiger für Hamburg typischer Schienenfahrzeug- Baureihen gestattet, wie auf nachstehendem Bild z.B. die V60, die Tobias für diese Anlage sogar extra als "Hamburger Deern", also mit entsprechenden Nummern und Bw Anschriften ausgestattet hat.



    Natürlich sind nicht alle wünschenswerten Maschinen in der Anlage vorhanden, aber „mehr“ (wie z.B. noch eine 01.10, eine 03, eine 41 oder eine neuere 78 ) konnte ich mir finanziell einfach nicht leisten, was aber für die Lok- Kenner unter den Usern kein großes Problem sein dürfte, denn als User kann ich ja jedes dieser Modelle kaufen und privat selber in die Anlage einsetzen.

    Dasselbe gilt natürlich auch für die älteren EEP 6- Modelle (wie dem VT 10) die einfach in diese Zeit und an diesen Ort gehören.

    Wieweit ich überhaupt noch die im Grundbestand von EEP noch mitgeführten, vom Trendverlag selber konvertierten, als „veraltet“ eingestuften Loks (wie die BR 74, 78, 93 oder den „Schwarzen Schwan“, also die damals nagelneue BR 10, die um 1960 alles Hamburg- typische Maschinen waren) in die Anlage einsetzen „darf“, muss die Zukunft zeigen.

    So sind einige der in den Screenshots gezeigten Modelle noch nicht in allen Fällen der „Weisheit letzter Schluss“ und müssen ggf. aus Verwendungsrechtsgründen noch entfallen oder bis zur Herausgabe der Anlage ersetzt werden.

    Einige Kompromisse waren auch bei der Verwendung der Güterwagen vonnöten, da der EEP- Grundbestand zwar Typ- mäßig richtige Modelle aufweist, diese aber manchmal keine Epoche 3- Beschriftung haben. Da es auch hier im Shop genügend passenden Ersatz gibt, den ein User schnell installieren kann, habe ich zugunsten einer größeren Fahrzeug Vielfalt das eine oder andere Auge zugedrückt.

    In noch größerem Maße trifft diese Aussage auch auf die Straßenfahrzeuge zu: Ohne Steffen Mauders Großzügigkeit, der mit seinen Vorkriegsfahrzeugen aushalf, die ja durchaus zahlreich auch noch bis Anfang der 1960er Jahre auf den Straßen Hamburgs zu sehen waren, hätte es auf diesem Sektor ganz schlecht ausgesehen. Dasselbe gilt auch hinsichtlich Jörg Swobodas Unterstützung, mit dessen Hilfe es möglich war, eine ganz typische Hafenszene aus dem Hamburger Hafen vor dem Mauerbau nachzuempfinden, nämlich die zur Verschiffung ins „nichtsozialistische Ausland“ bereitstehenden „Wartburg“- PKW aus der DDR.



    Aber die wirklich typischen zeitgenössischen Lastkraftfahrzeuge der späten 50er- und frühen 60er- Jahre finden sich lediglich im mir als Shop- Anlagenbauer „verbotenen“ EEP 6- Fundus von Bernt Hoppe oder -in Hinblick auf die Lizenzen finanziell völlig unerschwinglich, wenn nicht gar unzugänglich- im Bestand der Arbeitsgemeinschaft Engelmann- Görbing.

    Und ganz schlecht sieht es bei den Pferdefuhrwerken aus, derer sich bislang ebenfalls lediglich in EEP 6 Bernt Hoppe angenommen hatte. Hier hoffe ich, dass Trend noch ein „Einsehen“ hat und mir, zum Nutzen aller User, doch noch einmal deren Verwendung genehmigt.



    Andernfalls muss der Epoche bewusste User selber für entsprechende Abhilfe sorgen und, falls er keinen Konverter besitzt, der ja inzwischen aus mir ebenfalls immer noch nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen abgeschafft wurde, vielleicht auf die in meinen älteren Anlagen verbauten, konvertierten 60er Jahre- LKW (Anlage: „Der Time Saver“) und Pferdegespanne (Anlage: „Die Schellfischbahn“) zurückgreifen.

    Das alles ist aber nicht wirklich schlimm, denn wir Anlagenbauer nutzen ja unser Urheberrecht an unseren Anlagen nicht dazu, Veränderungen zu verbieten oder sie uns gar zusätzlich vergüten zu lassen. Im Gegenteil finden wir die Erweiterungen und Veränderungen einer Shopanlage durch den User höchst wünschenswert, denn dafür sind diese Anlagen ja gemacht. Ganz im Sinne des Modellbahngedankens dient so etwas nämlich einer wirklichen kreativen Beschäftigung mit dem Thema und ist damit nicht nur auf das bloße „Konsumieren“ eines fertigen und unveränderbar „gekapselten“ Shopmodells beschränkt.


    Mit ein paar Anmerkungen zum Fahrbetrieb auf der Anlage sowie einigen Vergleichspaaren zwischen der heutigen, d.h. erst vor wenigen Tagen aufgenommenen Fotos von realen Situation und den entsprechenden Screenshots vom selben „historischen“ Standort auf der virtuellen Anlage, möchte ich in der nächsten Folge weitermachen. Für heute verabschiede ich mich von euch.


    Bleibt gesund,

    Jörg (JW3)

    (Fortsetzung folgt)

  • Klasse Jörg, einfach nur Klasse:be_1:. Was soll und kann man dazu noch mehr Schreiben, wie "Ein Zeitdokument aller erster Klasse".


    Vielleicht so viel noch.

    Es ist wirklich sehr schade, das wir Anlagenbauer warum auch immer und von wem auch immer so ausgebremst werden. Diesen Umstand ist es zu verdanken, das einem wirklich die Lust auf Veröffentlichungen von Anlagen, die dem Vorbild angelegt sind, abgeht.


    Freue mich auf weitere Eindrücke dieser tollen Anlage und natürlich auf das Erscheinen der Anlage.


    Viele Grüße

    Lothar (DB54)

    EEP6, EEP14, EEP15.Patch3, EEP16.Patch3 - PC: Win 10 Pro 64 bit , SSD 2,5 SA3 Samsung 850 EVO, MB Asus Z390-F Gaming , CPU Intel Core i9- 9900k Coffee Lake, ASP 64 GB RAM , GK GeForce RTX 2080Ti Gaming Pro

  • Hallo,


    ich störe ja das fröhliche Trend-Bashing ja nur ungern, aber ich denke man macht es sich zu einfach wenn hier von einem Ausbremsen der Anlagenbauer gesprochen wird. Es ist doch vielmehr so das der Trendverlag naturgemäß ein Interesse daran dass die im Shop angebotenen Anlagen qualitativ mit dem Modellbau Schritt halten und nicht wie vereinzelt (nicht hier) zu gefühlt 80% aus konvertierten Modellen besteht, sodass man die Anlage vielleicht besser direkt als V6-Anlage angeboten hätte. Einzelne Modelle waren und sind hier zumindest nach meinem Kenntnisstand nicht das Thema, das mag sich aber auch geändert haben. Das die Rahmenbedingungen für den Anlagenbau zur Zeit nicht passen kann ich aus eurer Sicht nachvollziehen und haben Andreas (Großkopf) und du hier ja schon mehrfach erläutert. Es fehlt nach wie vor an einem Ansatz der Allen zugute kommt und auch von den Modellbauern akzeptiert wird.


    Zu deiner Anlage: Interessantes und schön aufbereitetes Thema. Die Verwendung der animierten Weichen freut mich außerordentlich. Leider fällt die fehlende Plastizität der Arkardenmauern doch sehr ins Auge, da diese natürlich sehr prägend für die Anlage ist. Hier gibt es modellbauerisch aber im Moment wohl tatsächlich keine Alternative. Ich freue mich auf weitere Eindrücke.


    Gruß Michael

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  • ... aber ich denke man macht es sich zu einfach wenn hier von einem Ausbremsen der Anlagenbauer gesprochen wird.

    Hallo Michael, so einfach ist das eben alles nicht. Deshalb möchte ich anmerken, dass auch die Anlagenbauer einem Hobby frönen. Die Situation hat sich leider so verändert, dass ich zum Beispiel vorerst keine Anlagen mehr veröffentliche bzw. veröffentlichen kann - ohne Groll !


    Jörg hat schon einige Problembereiche angesprochen. Sie führen dazu, dass aus dem Hobby ein "stressiger und zeitaufwendiger Problemlösungsprozess" geworden ist. Zudem ist es u.a. wohl auch nicht erlaubt, konvertierte Modelle eines bestimmten Konstrukteurs zu verwenden, Da geht es dann weniger um 80 oder 10% des Anteils konvertierter Modelle. Viel Arbeit und Zeitaufwand für eine Anlage können schlagartig in der berühmten Tonne landen. Für solche Auseinandersetzungen fehlt mir einfach der Nerv, das habe ich früher im Beruf zur Genüge gehabt, das brauche ich nicht mehr. So habe ich eben jetzt eine Phase gewählt, in der ich wieder unbeschwert nur meinem Hobby frönen kann.


    Jörg, du hast wieder deine besondere Art bewiesen, mit den Mitteln von EEP historische Eisenbahngeschichte lebendig zu machen. Ich freue mich über deine Energie, das immer noch anzugehen - Chapeau! Dazu viel Erfolg und ich freue mich auf die Fortsetzung der Präsentation und dann auf die Anlage.

    Gruß Uwe


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  • Es ist doch vielmehr so das der Trendverlag naturgemäß ein Interesse daran dass die im Shop angebotenen Anlagen qualitativ mit dem Modellbau Schritt halten und nicht wie vereinzelt (nicht hier) zu gefühlt 80% aus konvertierten Modellen besteht

    Das Interesse seitens Trend verstehe ich, aber versteht Trend auch das Interesse seiner Kunden?

    Ich freue mich jedenfalls auf die Anlage und finde es schade das die älteren Epochen auf diese Art ausgebremst werden.

    LG - Harald

    Intel Core i5-3570K - 3,4GHz, 8GB RAM, ASUS 4GB STRIX-GTX970-DC2OC, SSD 1TB, Monitor: 4K - 40 Zoll, Windows 10, EEP: 6-16, YouTube

  • dass ich zum Beispiel vorerst keine Anlagen mehr veröffentliche bzw. veröffentlichen kann

    Schade, hatte ich mich doch schon sehr auf die Hameln-Anlage gefreut.


    Hallo Jörg windbergbahn ,


    das ist eine tolle Präsentation der Hamburger Pfeilerbahn in EEP. Ich freue mich trotz der kleinen Kröten, die man mittlerweile wohl als Anlagenbauer und als Kunde schlucken muss, wirklich sehr auf die Anlage.


    Hallo EEP Team Trend ,


    vielleicht geht der Verlag noch mal in sich, und erarbeitet Lösungen für die momentanen Hürden, um weiterhin solche wichtigen, vorbildnahen Anlagen zu ermöglichen. :ba_1:

    Viele Grüße,

    Andreas


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  • Hallo Harald,

    Hallo Uwe,

    Das Interesse seitens Trend verstehe ich, aber versteht Trend auch das Interesse seiner Kunden?

    gemessen daran wie oft hier von Kunden eine aktuellere Grafikengine und entsprechende Modelle gefordert werden gibt es hier zumindest 2 Seiten der Medaille. Ich bin aber insoweit bei dir dass es weder im Sinne des Verlages noch im Sinne der Kunden sein kann wenn es keine (fertigen) Shopanlagen mehr gibt.

    so einfach ist das eben alles nicht

    ich habe nie behauptet das das hier einfach wäre. Aber so einfach zu sagen "Trend ist schuld" ist es halt auch nicht. Was man Trend vorwerfen kann ist das die von dir angesprochenen Richtlinien aktuell meines Wissens nicht schriftlich vorliegen und daher hier viel Hörensagen besteht. Das von dir und Jörg angesprochene "Verwendungsverbot" finde ich irgendwo im Kontext der Bestandstrennung mit EEP15 etc. nur konsequent, insbesondere wenn es um Modelle geht die nie als V6-Modelle auf dem Markt waren sondern teilweise für Anlagen V7+ als V6-Modelle gebaut worden sind. Das kann es ja irgendwo nicht sein auch wenn es für den Anlagenbauer der dieses Modell braucht möglicherweise praktisch ist.

    Gruß Michael

    35098-katalog-banner-jpg

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  • insbesondere wenn es um Modelle geht die nie als V6-Modelle auf dem Markt waren sondern teilweise für Anlagen V7+ als V6-Modelle gebaut worden sind.

    Hallo Michael,


    leider muss ich sagen, dass du im Grunde recht hast, man sollte wo es geht, 6er-Modelle ausschließen. Dir ist vielleicht auch aufgefallen, dass ich den Verlag gar nicht erwähnt habe.


    Dein Zitat trifft auf meine Aussage weiter oben nun aber nicht zu. Es sind Modelle ausgeschlossen worden, die --nicht-- extra gebaut worden sind und auch --nicht-- in der höheren Version zur Verfügung stehen. Das Herbstmanöver als Szenario der VEV-Reihe konnte nicht erscheinen, weil es eben um den Konstrukteur und --nicht-- die Modelle ging. Für diese Entscheidung gab und gibt es keine Grundlagen in den MBR - egal ob veröffentlicht, gültig oder als Gerücht vorhanden. Es war eine emotionale Entscheidung eines einzelnen. :aq_1:


    Da solche wahlweisen - nicht zu verwechseln mit weisen - Entscheidungen immer noch nicht ausgeschlossen sind und dieses Thema vom Verlag ( jetzt beziehe ich ihn ein!) leider nicht konkret und abschließend gelöst werden konnte, kann ich Anlagen der von mir favorisierten Epoche III eben leider nicht im Shop veröffentlichen. Die Modelllücken sind vorhanden und nicht gering. :ma_1:


    So wünsche ich Jörg und seiner Anlage umso mehr, dass nicht ähnliche Hemmnisse aufgebaut werden. Die Entscheidung dazu wird auch für mich große Bedeutung haben. :bn_1:

    Gruß Uwe


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  • Die Pfeilerbahn

    (Fortsetzung von Teil 1 und 2)

    Liebe EEP- Freunde,

    noch einmal möchte ich euch eine kleine Vorschau auf meine kommende Shopanlage geben, die eine Nachempfindung der historischen Hamburger „Pfeilerbahn“ ist.

    Zunächst noch ein paar Worte zum Betrieb der Anlage:


    Der Fahrbetrieb:

    Ich schrieb eingangs schon, dass es auf so komplexen Anlagen mit ausgedehnten Gleisfeldern wie der Pfeilerbahn in EEP heute immer noch kaum Sinn macht, einen einzelnen Zug „händisch“ durch das Gleisgewirr zu steuern, während alle anderen Züge, da man selber ja nur 2 Augen und 2 Hände besitzt, bewegungslos in ihren Wartegleisen verharren, bis sie endlich einmal nach und nach selbst an der Reihe sind.

    Das kann man so auf Landbahnhöfen machen oder auf eingleisigen Strecken. Auf einem nachgebildeten Gleis- Vorfeld einer Großstadt wie der Pfeilerbahn, wo in der Realität die Gleichzeitigkeit vieler Fahrzeugbewegungen die Regel war und ja auch das eigentlich Faszinierende darstellte, wäre solch ein Einzugbetrieb nach kurzer Zeit schlichtweg nur langweilig.

    Solange es in EEP keine Möglichkeit gibt, eine Anlage mit mehreren Freunden gleichzeitig zu bespielen, bleibt für denjenigen, der „Hochbetrieb“ auf allen Gleisen genießen möchte, wohl nur die Automatisierung der allermeisten Zugbewegungen. Ich habe mich deshalb hier, obwohl ich mich grundsätzlich eher der rangierenden „Betriebs-Modellbahner“- Fraktion zurechne, für eine Vollautomation dieser Anlage entschieden und glaube, die „Action-Freaks“ unter den EEP- Freunden werden mit der „Pfeilerbahn“ in dieser Hinsicht nicht enttäuscht werden.

    Selbst ich als „Fahrskeptiker“ muss zugeben, dass es schon ein besonderer Genuss ist, das pausenlose Kommen und Gehen von mindestens 3, meistens 4, gleichzeitig über die Anlage „paradierenden“ stilechten Zuggarnituren zu beobachten. Da ist das Gefühl einer Zeitreise ans Ende der 1950er Jahre, genauer: April 1958 (daher das spärliche Grün bei den Bäumen und Büschen), schon ganz intensiv, was auch durch viele in Gleisnähe und z.B. auf dem Stellwerk Hob installierte Kamerastandpunkte unterstützt wird.



    Wen dabei die 32-fach vergrößerten „Anlagenbesucher“ am Rande der Anlage allzu sehr stören, kann sie ja einfach löschen.

    Auch ein Genuss ist die Beobachtung der nahezu pausenlosen Aufs und Abs der zahllosen Vor- und Hauptsignalflügel, wenn sich Züge diesen nähern oder sie gerade passiert haben. Fast überflüssig zu erwähnen, aber auf EEP- Anlagen noch allzu oft falsch gemacht, dass alle Flügelsignale korrekt „verschaltet“ sind und tatsächlich erst in „Fahrt“- Stellung gehen, wenn sich ein Zug nähert. Die „Halt“- Stellung wird dagegen (meist) erst nach Passieren des vollständigen Zuges eingenommen, was übrigens auch für das vor einem solchen Hauptsignal platzierte Vorsignal des nächstfolgenden Blockabschnitts gilt.

    Ein weiterer Genuss und bei einer solchen gleisintensiven Anlage mehr denn je ein „Muss“, ist die Verwendung animierter Weichen und DKWs, für die mir Günther Kohl die Verwendungsgenehmigung gegeben hat. Das Hin und Her der Zungen, der Weichenlaternen und der DKW-Laternenblenden ist schon etwas Besonderes und ich frage mich, wie man, ganz anders als bei der realen Modelleisenbahn, wo fein detaillierte Weichen zu den „Essentials“ gehören, in EEP zwar nicht müde wird, die Superdetaillierung von Fahrzeugen einzufordern, beim Gleisbau aber noch immer eher „blind“ für dieses immens wichtige Gestaltungselement geblieben ist...


    Gestern und Heute

    Bei einem „Lokaltermin“ vor wenigen Tagen hatte ich Gelegenheit, die heutige reale Situation fotografisch festzuhalten und möchte euch nachstehend die dabei entstandenen Fotos mit den jeweils entsprechenden „historischen“ Standort- Screenshots auf der virtuellen Anlage zum Vergleich vorlegen:

    Zunächst die Situation am Beginn der Anlage:

    Am Ende der mächtigen Elbbrücken liegt der Anfang des Jahres neu eröffnete S-Bahnhof „Elbbrücken“. Er befindet sich fast unmittelbar neben der Stelle, wo sich früher der gleichnamige Haltepunkt auf der „Pfeilerbahn“ befand, der im Modell nachempfunden wurde.




    Das andere Ende der Anlage wird begrenzt von der Oberhafenbrücke (nicht zu verwechseln mit der Oberhafenkanalbrücke). Beim Vorbild war sie ehemals eine doppelstöckige Drehbrücke, die im Modell mit einem EEP- Bestands- Gleisobjekt wenigstens annähernd nachempfunden werden konnte. Die am Ende der Brücke kurz vor dem Eintauchen der Strecke in die Kulisse platzierte Signalbrücke ist eine einfache „Bastelei“ aus EEP- Grundmaterialien. Aber gerade so etwas „Selbstgebasteltes“ macht ja bekanntlich das „Salz in der Suppe“ eines Modellbahner- Daseins aus…




    Von der ganzen Herrlichkeit der Empfangs-, Lager- und Eilgutschuppen des Hauptgüterbahnhofs blieb bis heute immerhin ein Teil erhalten. Im Hintergrund eilt auf der 2009 anstelle der Pfeilerbahn neu errichteten „Spundwand“-Bahn ein ICE stadtauswärts. Das Dach des Verwaltungsbaues links, am Schuppen-Ende, diente in den 1950er Jahren dem Direktionsfotografen Walter Hollnagel als Standort für zahlreiche seiner Fotos von der Pfeilerbahn.

    Dieselbe Situation, hier mit einem vor 60 Jahren typischen, von 01 geführten D-Zug, lässt sich ähnlich auf der Anlage nachempfinden.




    Auch die ehemalige Ladestraße zwischen den Schuppenreihen des Hauptgüterbahnhofs existiert noch, wenn auch in die Schuppen heute allerlei Kleingewerbe Einzug gehalten hat.




    Das ehemalige Gleisareal des Hgbf im Vorfeld der Schuppen ist dagegen vollständig abgebaut. Der Vorbild- Blick fallt hier auf die Kai Kante des Oberhafens. Der im Hintergrund links vor dem neuen Brückenbauwerk der S-Bahn schwach auszumachende Rundbogen gehört zur Oberhafenkanalbrücke. Rechts im Bild, etwa dort, wo gerade die Fuhre mit 261 und dem Vectron im Schlepp entlangfährt, stand bis ca. 1985 das Stellwerk Hw und links im Bogen der Kai Kante die sogenannte, ebenfalls an ein Stellwerk erinnernde „Kranwerkstadt“. Auch diese historische Situation lässt sich auf der Anlage mit Hilfe eines EEP- Bestandsmodells recht gut nachempfinden…




    Einen letzten Vergleich bietet der Blick westwärts, von der Versmannstraße auf das heutige Kreuzungsbauwerk der Pfeilerbahn mit den Gütergleisen. Früher führten die Gleise hier genau „andersherum“ unter der Pfeilerbahnstrecke hindurch, wurde doch an dieser Stelle das Areal des Hannoverschen Bahnhofs mit dem Hauptgüterbahnhof verknüpft.

    Das ursprünglich vor der Pfeilerbahn liegende Gleis, auf dem jetzt ein „Metronom“ gerade südwärts rauscht, lag genau vor dem Freihafen- Zaun und diente im Wesentlichen der Überführung der aus dem Freihafen kommenden Züge in die Hauptstrecke. Die Anlage verdeutlicht den damaligen Zustand an dieser Stelle.





    Ich würde mich nun freuen, wenn euch diese kleine Zeitreise und Vorschau auf die kommende Anlage gefallen hat. Da die Anlage jetzt so langsam ihre „größtmögliche Dichte“ erreicht, hoffe ich, sie spätestens zum Frühherbst in den Shop zu bekommen.

    Schaun mer mal…

    Jörg Windberg (JW3)


    Quellen:

    -Wiesmüller, B.: „Am Ende der Pfeilerbahn“, in: Eisenbahn Geschichte Nr. 92; DGEG-Medien GmbH; Hövelhof (2019)

    -Wiesmüller, B. und D. Lawrenz: „Die Hamburger Rangier- und Güterbahnhöfe“; EK-Verlag, Freiburg (2009)

    -Koschinski, K.: „Eisenbahn in Hamburg“; Eisenbahn Journal Special 2/2019; VG-Bahn GmbH; Fürstenfeldbruck (2019)

    -Vorbildfotos aus den 1950er- Jahren: Hollnagel (Archiv Eisenbahnstiftung);

    -Foto des Hgbf aus den 1980er Jahren (Klaas);

    -Gegenwartfotos (Juli 2020): (Windberg)

    -Gemälde der Pfeilerbahn: Peter Bomhard (Slg. Altmann)

    -Danilowatz- Bild: Märklin-Katalog 1932 (Repro) (Slg. Windberg)

    -Luftbildaufnahme (ca. 1970): Luftbild-Datenbank; Staatsarchiv Hamburg (Slg. Windberg)

    -Gleispläne: MEHEV-Hamburg und Slg. Wiesmüller/DGEG-Archiv

    Für die Erlaubnis, die genannten Quellen für diese Recherche verwenden zu dürfen, sage ich herzlich danke.

  • Grins: Endlich mal nicht Berlin ....

    Ich kann mich auch irren aber die Viadukte auf den Fotos sehen mir stark nach dem Bausatz Berlin Wollankstraße aus. Aber Berlin und Hamburg hatten schon immer ein gutes Verhältnis.


    Gruß manni48

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