Eilenburg 1989

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  • Abhängigkeit von sowjetrussischen Energieträgern ist für den gelernten DR- Bahner im Prinzip nichts neues. Das gab es schon immer und weil das so war rief man sogar Wettbewerbe zur Einsparung von Diesel ins Leben. Wer wollte der konnte genau erfahren wieviele Liter Diesel eine 132 mehr verbraucht wenn sie unnötigerweise zum Stehen kommt und mit 1500 Tonnen wieder anfahren muss.

    Reichsbahnland hing am Tropf der Pipeline nach Schwedt und Kolja dachte nicht im geringsten daran sein Öl zum Freundschaftspreis an den kleinen Bruder abzugeben. Alles nichts neues, oder?

    Man trieb die Streckenelektrifizerung auch aus diesen Grund mit Elan voran. In Eilenburg- Ost werden die Fahrleitungen bis in die Anschlüsse von Kieswerk und Getreidelager reichen damit E-Loks dort schon ihre schweren Züge bespannen können. Das spart Diesel, jede Menge sogar.


    Das Streckengleis nach Pretzsch wird für die kommenden Aufgaben ertüchtigt. Gleisbauer schuften in der Sommerhitze, ein Teil des Güterbahnhofes wirkt wie ein Arbeitslager aus Bauzugwagen. Hier wohnen und schlafen die Männer vom Gleisbau, oft über Wochen hinweg.



    An der Muldebrücke ist man mit Nacharbeiten beschäftigt.



    Die Sonne meint es gut, viel zu gut. Gleisbau ist harte körperliche Arbeit. Es ist wie eine Erlösung wenn der Sicherungsposten mit seiner Fanfare eine kurze Pause verkündet.



    Sie kontrollieren die Befestigungsteile, schottern nach wo es nötig ist.



    Beziehung ist alles und die hat man sich aufgebaut. Zur Kaufhalle in der Nähe beispielsweise wo es Mittwochs gegen dreizehn Uhr Fleisch für den Grill geben soll. Natürlich nur für die welche eben die nötigen Beziehungen haben.

    Man hält in diesen Kreisen wenig von veganer Ernährung oder so und Brigadier Pommer hat schon vorgesorgt.

    "Dackelstett, los mach dich in die Spur. Zeit zum Fleesch holen. Und schau mal ob du was ordentliches an Bier abfassen kannst!"

    Damit ist keine Leipziger Sachsenbräuplörre gemeint, davon hat man selber genug.



    Der Angesprochene, Gleisbaufacharbeiter Tilo Dackelstett stiefelt los. Heute abend werfen sie den Grill an, das wird lustig.

    So wie er in seinen Arbeitsklamotten ist greift er sich den Schlüssel vom Barkas und fährt zur Kaufhalle....

  • Stunden später.

    Die Brigade "Igor Kosmonautorow" -benannt nach einem sowjetischen Weltraumflieger- hat sich auf der Laderampe um den Grill versammelt.

    Dackelstett war erfolgreich und hat sogar "ordentliches" Bier beschafft. Sternburg German Pils, na immerhin. Der Brigadier bringt eine Flasche Klaren zum Vorschein, mustert fachmännisch das Etikett.

    "Bitterfelder Bretterknaller. Hier gebrannt, hier gesoffen. Prost, Männer!"



    Sie langen kräftig zu, die Flasche kreist, dann die nächste. Die Gespräche drehen sich um die üblichen Themen. Fußball, Frauen im Allgemeinen, Eilenburgerinnen im Besondern, alte Hunde und neue Tricks. Irgendwann kommen sie auf ihre Bauwagen. Die sind wirklich heruntergerockt. Es zieht durch die Ritzen, die Einrichtung hat den Charme eines Feldlagers. Immerhin gibt es Fernseher. Russische Spitzenprodukte namens Raduga. Die können Westfernsehen zwar nur in Schwarz-Weiß aber dafür sorgen sie mit ihren Elektronenröhren für kuschelige Wärme im Raum.

    "Da könnte wirklich mal einer kommen und was modernes spendieren."

    "Im Westen sollen sie sogar richtige Küchen drin haben. Und Mikrowellen. Und richtig Licht. Und diese Fernsehschüsseln"

    "Die wo man RTL und Tuttifrutti gucken kann?" " Ja, habe ich gehört...."



    Egal, noch 'ne Runde, hoch die Tassen. Olli Schwienteck, der Kulturobmann holt die Gitarre raus.

    "Es saßen die alten Germanen..." gröhlt es über die Rampe. Später wird man das als Kulturveranstaltung prämienwirksam beim Brigadewettbewerb abrechnen.



    Dackelstett hat wacker mitgehalten, eine Lage nach der anderen. Aber nun müsste er sich mal dringend erleichtern, vielleicht sich auch das Essen noch mal durch den Kopf gehen lassen. Nur eben nicht gerade hier. Er seilt sich von der Meute ab, dorthin wo es dunkler ist. Die blöde Laderampe schwankt ganz schön und schief steht sie wohl auch.....

  • Mit ziemlicher Schlagseite erreicht Dackelstett den Busch seines Vertrauens. Während er eine Stange Wasser abstellt bemüht er sich mit aller Kraft nicht in den Busch hineinzufallen.

    "Uff, das war knapp..."



    Er schaut sich um. Mit Loks kennt er sich einigermaßen aus. Aber die hier ist irgendwie anders. Die Wagen dahinter wohl auch. Komisch. Liegt das am Alkohol? Quatsch, er hat doch garnichts getrunken. Naja, fast nichts. Nur ganz wenig.

    Da steht scheinbar jemand und winkt ihm zu. Die ist ja ganz.....niedlich. "Mir gehn jetzt ma gucken!" lallt er sich zu.



    Dackel schwankt auf die Schönheit zu. Sein Blick streift die Anschriften der Wagen. Irgendetwas kommt ihm bekannt vor. Sind die etwa aus dem Westen? Und die komischen runden Dinger oben drauf... vielleicht sind's ja auch Außerirdische???

    Als er die Frau erreicht und ihr die Hand küssen will ist sie plötzlich weg. Einfach so. Die Tür steht offen und dahinter ist es hell. Mühevoll zieht er sich am Geländer die paar Stufen hoch. Balance halten ist garnicht so einfach....



    Oben angekommen fällt ihm die Kinnlade runter. Was ist denn hier los?

    Im Fernsehen läuft Fußball, in brillianter Farbe. Die schöne Dame (oder ihre Schwester?) lächelt ihn an. Dackelstett hält sich an den Tischkanten fest, stolpert näher heran. Als er die Hand ausstreckt greift er ins Leere, die Lady ist plötzlich verschwunden. Er starrt auf das Fernsehbild, oben in der Ecke dreht sich eine bunte Kugel und irgendwas mit Sat1 steht da. Das gibts doch garnicht, oder???



    Dahinter scheint es weiter zu gehen. Ob er seinen Jungs Bescheid sagen sollte? Nee, außerdem muss das Mädel ja noch hier irgendwo sein. Dackelstett schiebt die nächste Tür auf......

  • ....und entdeckt den nächsten Fernseher. Er hat zwar inzwischen einen leichten Tunnelblick aber den Tatort erkennt er noch. Muss wohl gerade zu Ende gegangen sein.



    Ein paar Minuten kämpft er mit der nächste Tür dann steht er in der Küche. Das ist ja etwas ganz anderes als die Feldküche in seinem Quartier. Fast wie im Westen, oder? Wenn der Herd nicht so schwanken würde könnte er ihn viel besser erkennen!

    Dackelstett bekommt Hunger. Da muss doch irgendwo was sein? Er durchsucht die Schränke, oder besser gesagt, er versucht es.



    Eine barsche Stimme erschreckt ihn.

    "Kannst du mir verraten was das hier soll?" Eine resolute Frau steht vor ihm. Er versucht ihrem stechenden Blick auszuweichen.

    "Sieh mich gefälligtst an wenn ich mit dir rede!" Dackel lallt etwas von "Hunger, schöne Frau!". "Du bist ja strunzbesoffen. Und jetzt raus aus meiner Küche. Auf der Stelle, kehrt, marsch". Oje, die Olle versteht keinen Spaß. Dackelstett findet sich draußen vor dem Wagen wieder.



    Er schwankt zurück zu seinen Kollegen. Die Party ist am Ausklingen. "Ey, wo warst du denn so lange?"

    Dackelstett stammelt etwas von "Westwagen" "Weiber" "Farbfernseher" und "ganz seltsam". "Ach komm, du bist doch voll im Tee!" meint Schwienteck. "Nee, wirklich, kommt mit, ich zeige es euch!"



    Die Meute ist jetzt natürlich neugierig. Man macht sich auf, Dackelstett vorneweg. Nur.... da ist nichts seltsames. Nur eine V60 mit ein paar Bauwagen.



    "Aber, da war doch.... " Der Brigadier haut ihm mit der flachen Hand auf den Hinterkopf. "Dackel, Mann, du bist doch völlig harte! Ab in die Koje mit dir"

    Er schüttelt den Kopf. "Unsere Jugend. Saufen wie die Großen aber vertragen wie die Kleinen....!"

  • Also das ist ja ganz schön gefährlich, so "voll" im Gleisbereich zu stehen.:at_1::ao_1::ah1::ma_1:

    Kindern und Betrunkenen hilft bekanntlich der liebe Gott. :an_1::at_1: