Berufliche Perspektiven bei der Reichsbahn

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  • Jetzt hab ich grade ne Idee: Hintenrum wird Befehlsausträger in Stadtbahn.

    Dann weiß er mal, was Arne gemacht hat und lernt die Arbeit schätzen. :D

    Naja, lassen wir uns mal überraschen, wie die Geschichte weiter geht. 8)

    Güter gehören auf die Bahn!

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  • Donnerstag - Kohlenlieferung und neue Tätigkeitsfelder

    001-Morgen

    Kathrins Frühdienst mit Karola läuft am Vormittag normal. Gegen zehn klingelt die Rufleitung vom Chef an. Kathrin geht ran und wird gleich vom Hahn gefragt, ob sie für Ilona nächste Woche Dienstag die Spätschicht übernehmen könne. Eine der Katzen hat ihre Routineuntersuchung wegen deren Nierensache und es gibt doch so schwer Termine. Kathrin sagt, dass sie nächste Woche noch einmal Berufsschule hat und am Montag, Mittwoch und Freitag ihre theoretischen Prüfungen schreibe. Das wäre kein Problem, meinte Hahn nur, am Dienstag ist doch normaler Unterricht, das ist doch nicht so anstrengend. Sie kann doch bereits um 13:00 Uhr schon den Unterricht verlassen und gleich rüber zum Bahnhof gehen, um 13:28 Uhr fährt der Personenzug in Richtung Dröpsenstedt, der ist um 13:38 Uhr in Mehlsdorf, also kann sie um 13:45 Uhr den Dienst auf B1 übernehmen. Es gebe auch Pauschalentlohnung. Kathrin, sagt, dass sie Ilona zuliebe den Dienst übernimmt, Hahn sagt er schreibe es in den Dienstplan und legt auf. Kopfschüttelnd legt Kathrin den Hörer auf die Gabel. „Wenigstens Danke hätte der mal sagen können.“ Karola schaut etwas mitleidig zu ihr und sagt: „So ist das öfter hier, du musst aufpassen, wie oft und vor allem zu was du ja sagst.“ Kathrin nickt nur. „Mit wem habe ich den Dienst dann eigentlich?“, fragt sie. „Na mit mir.“, antwortet Karola mit einem überschwänglichen Lächeln und zwinkert ihr zu. „Wir machen uns da einen ganz gemütlichen Abend.“

    002-Bonzenkarre

    Etwa zur gleichen Zeit in Hohnstadt. Am Ladegleis der Materialwirtschaft wird ein fast vergessener Wagen beladen. Die Messekommission hatte das Glühlampenprojekt nach erneuter Prüfung sang- und klanglos vor zwei Wochen gestrichen. Die entsprechende Mitteilung ging beim (Ex) FDJ-Sekretär ein. Man sei erschüttert über solch einen Unfug, vor allem weil wichtige volkswirtschaftliche Ressourcen dafür zweckentfremdet wurden und die Jugend nun sicherlich einen völlig falschen Eindruck von Neuerer-Vorschlägen habe. Eine schriftliche Stellungnahme (mindesten sechs Schreibmaschinenseiten) erwarte man in zwei Wochen. Nun ja, zumindest das hat sich für diesen jetzt erledigt – auf ihn warten jetzt andere Aufgabenbereiche. Gestern kam der Delinquent spät nachts nach Hause. Seine Büroschlüssel sollte er gleich in der Außenstelle lassen, seine Sachen werden ihm nach gründlicher Prüfung nachgeschickt. Da man auf seine Arbeitskraft bei der Deutschen Reichsbahn leider nicht ganz verzichten konnte, wurde er nun vorerst als Ladehelfer für den Materialzug zugeteilt. Nach kurzer Einweisung durch den Lademeister Alfred Langenhold, ist er nun damit beschäftigt allen möglichen Kram für die Dienststellen an der Strecke in den neuen Materialwagen zu laden.

    003-Lokgleis

    Arne ist bei der Lokbehandlung beschäftigt. Er betankt die Kleinlok mit dem nötigen Diesel und seine Kollegen sich mit dem mitgebrachten Bier von Arne. Der neue Kollege auf dem Materialzug lehnt allerdings ab. Arne schaut rüber und kneift die Augen zusammen. Ist das nicht…? Na, da brat mir doch einer nen Storch, denk er bei sich. Was macht der denn hier? Alfred Langenhold kommt zu ihm rüber und grinst Arne an. „Was gugsten so?“ „Der Neue da drüben, seit wann issn der hier?“ „Ach der.“, grinst der Lagerarbeiter und reibt sich die Hände. „Hat Mist gebaut und ist von seinen eigenen Leuten hierher geschickt worden. Ist den ersten Tag hier. So ist das bei denen dort im Laden, kannst ganz schnell wieder unten liegen. Wieso fragsten, kennste den?“ Arne erzählt kurz seine und die Geschichte von Kathrin. Das Grinsen von Alfred wird noch breiter. „So ein Tag, so schön wie heute…“, entfernt er sich pfeifend rüber zum Materialwagen. Fiedrich Altmann, Arnes Lehrlokführer, holt Arne zu sich ran und weist ihn an, die Lok für die Abfahrt zu inspizieren. Kontrolle der Schmierstoffe, Lager und elektrischen Einrichtungen. Dabei schaut er ihm prüfend über die Schulter und nickt zufrieden. „Da haben die dir drüben in Wahrensberge schon ordentlich was beigebracht. Gute Jungs da. Los hoch mit dir, wir müssen rüber zur Kohle und die Vorratswagen abholen.“ Als sie langsam rüber in Richtung Gleis 86 rollen, kann Arne noch hören, wie Alfred den neuen Kollegen anweist die Kohlengabeln einzuladen, die wird er wohl heute noch brauchen.

    004-einladen

    In 86 bleiben sie kurz vor der Sh2-Scheibe stehen. Sein Lehrlokführer schaut ihn an und fragt ihn wie er denn nun weiterwolle. Arne schaut fragend. „Hast du den Gleisplan mit Weichen und Fahrmöglichkeiten nicht kennengelernt?“ Arne schüttelt den Kopf. „Was machen die mit euch da in der Lehrbude eigentlich? Das ist alles nicht mehr das, was es mal war.“, brubbelt der vor sich hin. „Na pass jetzt ganz genau auf. „Wir sind gerade in 86 und wollen rüber nach 104 zur Kohle. Sind alles Handweichen hier und die Rangierer lassen uns hier so lange in Ruhe, bis wir weg sind. Die kommen uns also auch nicht in die Quere. Oben auf dem Turm weiß der Kurze auch Bescheid, dass wir hier rumfahren.“ Arne grinst, als er hört, dass Opitz hier unten wohl der Kurze ist. „Na los, dann sag mir mal wie wir fahren und wie die Weichen zu legen sind.“

    005-Gleis86

    Arne schaut angestrengt auf das Gleiswirrwar. Er denkt an Wahrensberge, da war das noch schlimmer, also wird er das hier wohl hinbekommen. „Wir fahren jetzt rüber über die Weiche da vorn…“ „Moment, mein Junge. Hier hat alles seine Ordnung. Wir sagen von wo wir kommen und wo wir hinwollen. Wenn wir auf Signal oder Anweisung von oben fahren (dabei zeigt er hoch zum Turm), dann stellen die die Weichen für uns. Hier drüben machen wir das, sind ja alles Handweichen. Also nochmal – wie fahren wir.“ Arne überlegt, die beiden Tage Weichenschmieren haben Einiges in seinem Kopf hängenlassen. Er versucht es erneut: „Von 86 über 56 in plus, 54 in Minus, 53 a in Minus nach Gleis 73 und dann über 50 in Minus nach 104.“ „Na wird doch. Fahrwegprüfung nicht vergessen, bevor du losfährst.“, freut sich der Altmann und lässt Arne alles alleine machen. Fahren, Weichenlegen, Kuppeln und den ganzen Weg zurück. In 73 lassen sie den Flachwagen stehen und holen den Materialwagen ab. Arne muss immer vorher ansagen, wie er fahren will.

    006-Abholung

    Am Ladegleis stehen die beiden Kollegen und warten. Als sie aufsteigen wollen, stellt sich Altmann vor die Tür. „Moment mal die Herren. Das wird aber enge. Dreie können hier oben, wir sind schon zwee-e, nu rechnet mal.“ Langhold schaut auf seinen neuen Kollegen. „Die neuen fahren immer im Materialwagen mit. Da kannst es dir schön bequem machen.“ Ohne ein Wort setzt sich der neue Kollege in Bewegung und verschwindet im Wagen. Als er weg ist, fangen der Lokführer und der Lademeister prustend an zu lachen. „Das wird noch ein Spaß mit dem. Lässt sich alles gefallen, hat die Hosen gestrichen voll, dass die ihn doch noch in den Bau stecken, wegen seiner Kokelei am Bahndamm.“ Zu Arne: „So, Junge, wir fahren jetzt vor bis zum Zwerg und dann kannst uns nach 43 anmelden, von da fahren wir auf Signal aus.“ Er hält ihm das Funkgerät hin. „Wir sind Rosi 102.“ Das mit dem Turm anfunken hat sich Arne gemerkt und es klappt problemlos rüber in das Ausfahrgleis zu kommen. Nach zwanzig Minuten und einer Zigarettenlänge leuchten das Ra12 und die Lichter am Signal N auf und die kleine Fuhre des Wirtschaftszuges setzt sich in Richtung Hennehof in Bewegung.

    007-Ausfahrt


    Edited once, last by SK2 (November 23, 2023 at 5:27 PM).

  • Kohlenlieferung und neue Tätigkeitsfelder – Teil 2

    In Hennehof klingelt die Zugmeldeleitung aus Hohnstadt und der 74693 wird gemeldet. Karola stellt die Einfahrt nach Gleis eins und ruft Otto an, dass der Materialzug gleich hier ist. „Endlich neues Klopapier.“, sagt sie grinsend und erklärt Kathrin kurz den Sinn und Zweck der Materialzüge. Alle 14 Tage fahren die jeden Bahnhof an der Strecke an und versorgen die Dienststellen mit den nötigen Verbrauchs- und Versorgungsgütern. Sanitärartikel, Arbeitskleidung, Gardienen, Zugmeldebücher, Berichtigungen und Ergänzungen der Dienstvorschriften und heute sogar Kohle – alles, was das Eisenbahnerinnenherz begehrt.

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    Arne rollt mit seinem kleinen Zug zügig über die Strecke. Altmann ist mit Langenhold am Lästern fachsimpeln, hat aber immer ein Auge auf Arne. Das Vorsignal von Hennehof kommt näher und die Baken huschen am Seitenfenster vorbei. Noch bevor Arne die dritte Bake erreicht hat, beginnt das Vorsignal Vs gelb zu blinken und Arne registriert bereits die Langsamfahrt, als sein Lehrlokführer anfängt: „So mein Junge, jetzt langsamer werden, die werden uns in die eins nehmen. Wenn du die beiden gelben Lichter am Einfahrsignal übereinander siehst, geht es da immer hin – kannste dir schon mal merken. Am Stellwerk hälst du dann so an, dass die letzte Achse an dem gelben Gleisanschlusskasten der Weiche vorbei ist. Dann löst es bei denen da oben auf. Dann drückst du wieder soweit zurück, dass der erste Kohlewagen am Kellerfenster stehenbleibt. Schaffste das nicht, schippste. Verstanden?“ Arne nickt und grinsend haut er ihm auf die Schulter und wendet sich seinem Gespräch mit dem Lademeister wieder zu.

    Als Arne an Signal S vorbeizieht, zeigt dies die beiden besagten Lichter. „Na, was heißt dieser Fahrbegriff, junger Kollege Lokführer?“ Die Signalbegriffe hat Arne schon gelernt, ganz unvorbereitet wollte er nicht sein, außerdem hat er das schon mit Oehsendreher aus Wahrensberge genug üben dürfen. „Auf vierzig ermäßigen, Halt erwarten.“ Der Lehrlokführer nickt zufrieden. Arne nimmt die Leistung raus und lässt sich ausrollen. Klappernd geht es über die Einfahrweichen, Arne nimmt das Bremsventil zurück und zischend entweicht etwas Bremsdruck. Langsam kommen sie an das Stellwerk heran, oben geht das Fenster auf und Kathrin grinst nach unten. Der Wagen, die Lok und vor allem der Lokführer kommen ihr doch bekannt vor. Sie winkt, Arne hebt die Hand zum Gruß. Schnell verschwindet sie wieder und ihre Stimme erklingt aus dem Lautsprecher: „74693 hat gelangt, anhalten.“ Die Fahrstraße hat aufgelöst und nachdem die Weichen 43 und 44 wieder in die Pluslage gestellt sind, ruft Kathrin nochmals aus: „74693 zurückdrücken.“ Arne legt die Fahrtrichtung um, löst die Bremsen und gibt ein klein wenig Schub auf die Raketen. Die Fuhre rollt etwas an und schon säuselt Kathrins Stimme über Lautsprecher: „74693 anhalten.“, und punkgenau kommt der Zug zum Stehen.

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    Arne will von der Lok, hoch zu seiner Kathrin. „Moment, Kollege, wohin so eilig?“ Kathrin schaut wieder aus dem Fenster und Arne schmachtend zu ihr hoch. „Ah, ich verstehe.“, sagt der Lehrlokführer, „Die jungen Leute von heute. Der Herr möchte bitte die Lok ordentlich abstellen, dann kann er nach oben zu seiner Pause gehen.“ Arne stellt den Motor ab, zieht die Handbremse an und will losstürmen. „Moment noch.“, mischt sich der Lademeister ein. „Du kannst gleich die beiden Kisten mit nach oben nehmen – kein Weg umsonst und schon gar nicht leer.“ Als Arne am Materialwagen ankommt, sieht er wie Hintenrum abspringt und sich die Kohlengabeln schnappt. Der schaut ihn nicht an und gewinnt eiligst Land. Otto hat inzwischen die Kohlenschurre an das Kellerfenster angesetzt und gemeinsam beginnen sie die schwarzen Eier vom Wagen zu schaufeln. Eine Tonne muss in den Keller, das wird etwas dauern. „In ner halben Stunde biste wieder unten.“, sagt sein Lehrlokführer, der mit dem Lademeister zum Dorfkonsum schlurft, um ihre gemeinsame bekannte Frau Stengel zum Mittag dort besuchen. Arne steigt in den Wagen und sucht die beiden Kisten für das Stellwerk. In der Ecke liegt der große Aufsteller mit ihm und Kathrin darauf. Auf seinem Gesicht ist deutlich ein Fußabdruck zu erkennen und das Holz scheint leicht gesplittert zu sein. Bei Kathrin ist das Papier abgeschabt und die Augen irgendwie ausgekratzt worden. „Hhmm.“, macht Arne und fängt an zu lachen. Sowas kommt von sowas, denkt er bei sich und läuft hoch zu seiner Kathrin.

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    Als Arne oben ankommt, wird er von Kathrin mit einer wilden Umarmung begrüßt und man tauscht einige seiner Körperflüssigkeiten aus. „Ach der Arne, na dann mal rein in die gute Stube. Du kannst dich in die Pausenecke setzen und lenkt mir ja nicht meine Zugmelderin ab.“, sagt sie grinsend zu ihm. Zu Kathrin macht sie eine zwinkernde Bewegung in Richtung Pausentisch. „Geh schon, kommt eh nichts gerade.“ Das lässt sich die schöne Knappschritt nicht zweimal sagen und beiden haben ihre verdiente Pause. Unten poltern die Kohlen im Takt in den Keller. Nach zwanzig Minuten ist es plötzlich still. Kurz danach geht die Tür vom Stellraum auf und Otto verlangt den Zug zum Empfangsgebäude. Dort muss nochmal eine Tonne Kohle (und bis zum Beginn der Heizperiode werden es nochmal zwei sein) abgeladen werden. Otto schaut fordernd auf Arne. Sein Lehrlokführer ist noch nicht zurück. Er überlegt. Das bekommt er auch allein hin, ist ja nur ein kurzes Stück. Kathrin macht ein betrübtes Gesicht. „Schon?“, fragt sie. „Ja, lass mal die Kollegen ihre Arbeit machen. Du kannst auch gleich den Mittagszug für Gleis drei ansagen.“, hört sie von Karola. Solange der Materialzug in Gleis eins steht, läuft der gesamte Personenverkehr über den Mittelbahnsteig. Karola hat bereits schon die nötigen Hilfssperren an den betreffenden Fahrstraßenhebeln angebracht. Sicher ist sicher, man weiß ja nie, ob man/Frau sich nicht doch mal vergreift. Die Verabschiedung des Eisenbahnerpaares fällt genauso aus wie die Begrüßung. Otto schaut immer ungeduldiger.

    Gemeinsam gehen Arne und Otto nach unten und dort trennt er auf Ottos Wunsch den Materialwagen von den Kohlewagen. Eine Stunde darf der hier so stehenbleiben – Luft ist drauf und die Bremsklötze liegen an. Die Handbremse noch angezogen, zurück auf die Lok und startklar gemacht. Als er den Motor anlässt, fragt er, ob die beiden mitkommen wollen. Otto steigt auf, er muss ihm ja auch den Halteplatz zeigen, seine ehemaliger Oberindianer stapft allerdings schweigend an der Fuhre vorbei und geht zügigen Schrittes zum Empfangsgebäude.

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    Dort angekommen geht die Schipperei der Braunkohlenbriketts von Neuem los. Die Arbeit lässt Hintenrum im Gesicht immer dunkler erscheinen. Man könnte meinen, echte Arbeit lässt Grüne Rote wieder normal aussehen – ob sie dabei auch auf vernünftige Gedanken kommen, ist dabei aber nicht erkennbar. Kurz darauf erscheinen die restlichen beiden Kollegen der Truppe. Altmann ist über Arnes selbstständiges Arbeiten erfreut. „So lob ich mir das, mein Herr.“, bekommt Arne zu hören. „Haste schon was gegessen?“ Arne schüttelt den Kopf, seine Brotbüchse liegt auf dem Führerstand, nebst einer Flasche Selters. „Dann mach deine Pause, du hattest ja bestimmt bis eben alle Hände voll zu tun.“ Lachend geht er mit dem Lademeister zur alten Güterabfertigung und beide verteilen diverse wichtige Versorgungsgüter. Arne soll die fünf Kartons für das Chefbüro und den Sozialraum (extra Sanitärartikel) in den Vorraum vom Chefbüro stellen. In den Sozialraum geht ja nicht, da wohnt ja immer noch Cordula. Das hatte schon mal den Vorteil, dass die Gardienen dieser Räumlichkeiten wieder an ihre Clipse gefunden haben.

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    Arne hat es sich auf dem Führerstand der kleinen Lok bequem gemacht. Plötzlich wird das monotone Schippgeräusch von einer Durchsage unterbrochen. „Achtung Reisende, aus betrieblichen Gründen verkehrt der Personenzug nach Hohnstadt heute von Gleis drei. Sie können die Gleise nach Bahnsteig zwei jetzt überqueren. Vorsicht bei der Einfahrt des Zuges.“ Klack. Eine schöne Stimme, denkt Arne. Ganz im Gegenteil zu Hintenrum, als er die Durchsage hört, wird sein Kopf hochrot. Nicht vor Anstrengung, sondern vor Wut. Alles deren Schuld, wenn die sich nicht so quer gestellt hätten, wäre ich jetzt nicht hier. Na wartet noch. Im Kopf des gebeutelten Meldeaugust erblühen Rachepläne.

  • Kohlenlieferung und neue Tätigkeitsfelder – Teil 3

    Nachdem beide Personenzüge durch sind, haben auch die Ladeknechte die zugeteilten Kohlen auf den Bahnsteig geschaufelt. Otto wird nun dafür sorgen, dass die heißbegehrten Brennelemente auch den Weg in den Keller finden. Hintenrum geht sich am Waschbecken in Ottos Kammer den Staub aus dem Gesicht waschen und verschwindet dann wieder in seinen Wagen. Langenhold und Altmann sind auch wieder zurück. Der Lademeister schaut kopfschüttelnd seinem neuen Kollegen hinterher. „Ach lass den doch, wird sich schon dran gewöhnen.“, wink er nur ab und steigt mit auf die Lok. Abwartend wird auf Arne geschaut. Der tippt kurz das Typhon an. Prompt öffnet sich das Fenster am B1 und Kathrin hält die Winkscheibe raus, die sie auch gleich zum Kommen quer schwenkt.

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    Als sie vor dem B1 ausrollen steht Kathrin unten. Arne frohlockt und schaut zur Tür raus. „Ihr sollt die drei Wagen aus dem SERO-Anschluss noch mit rüber nehmen. Ich wink euch gleich rüber.“ Altmann verzieht das Gesicht. Das sei wohl nichts neues hier, meint der nur und brubbelt noch was von andere Leute Arbeit machen und das Arne das später schon verstehen werde. Dem ist es egal und er sieht auch kein Problem darin, die drei Wagen mitzunehmen. Die Erkenntnis der Mehrarbeit und wie man sich davor drücken kann, kommt erst mit der beruflichen Erfahrung in diesem Tätigkeitsbereich.

    Kathrin gibt wieder Zeichen von oben und die Wagen werden aus dem Anschluss geholt. Arne muss kuppeln und fahren, sein Lehrlokführer sieht es nicht ein „deren“ Arbeit zu machen. Dafür steigt er aber von der Lok und macht der die Bremsprobe. Anlegen – Lösen – Bremse in Ordnung, noch die Schlussscheiben umgesteckt, sie sind abfahrbereit.

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    Arne schaut hoch zum Stellraum und erblickt seine Geliebte, der er Handzeichen gibt – wir sind dann so weit. Kathrin winkt ihm zu und verschwindet im Inneren. Kurz darauf hört man: „74693 vorrücken zur Ausfahrt.“ Langsam lässt er die Fuhre vorrollen und bereits in Höhe des Empfangsgebäudes leuchten grün und gelb vorn am Signal C auf. Die Ausfahrt steht und Arne lässt den Materialzug in Richtung Mehlsdorf über die Weichen rollen, hinter der letzten dreht er die Fahrstufe hoch und mit flotten 35 Sachen schaukelt es zur nächsten Dienststelle.

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    In Mehlsdorf geht es zunächst nach Gleis 3 und von dort als Rangierfahrt in den handbedienten Bereich der Ladestraße.

    Langenhold erbarmt sich als Rangierer – sonst würde das alles hier zu lange dauern, meint der, schließlich ist schon gleich halb zwei und man will ja auch noch heute zurück nach Hohnstadt. Deswegen geht er erst mal rüber zu Karin in die Aufsicht und holt das Funkgerät. Die SERO-Wagen werden inzwischen an der Güterrampe mit geparkt. Der Materialwagen und der leere Flachwagen bleiben auch erst mal hier. Arne kuppelt ab, sichert die Wagen und eilt zurück zur Lok.

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    Der Lademeister ist mit dem Funk zurück und legt die Weichen in der Ladestraße für den Weg zum B1 Mehlsdorf um, dort wird der erste Teil der Kohlen abgeladen. Hintenrum hat sich schon auf den Weg gemacht, Unterstützung bekommt er von Knochi aus dem Güterschuppen. Frank Knochenhauer verdient hier mit seinen 32 Jahren als Ladehelfer sein Gnadenbrot. Die hellste Kerze auf der Torte ist er nicht, dafür kann er ordentlich mit anpacken. Er weiß sein Leben zu nehmen und Mami sagt es ihm auch immer wieder (mit der er immer noch zusammen gegenüber der Ladestraße in der Nummer sechs wohnt). „Frank, du musst nehmen wie es kommt. Einfach ist es nicht, aber Mami ist immer für dich da.“ Nach diesem Motto lebt er irgendwie immer noch.

    017-B1-Mehlsdorf

    Sie müssen an der Seitenrampe langfahren und von da bis an das Stellwerk. Hier können die Briketts erst mal ins Gras neben das Gleis geschmissen werden, in den Kohleschuppen kommen sie dann später. Die Besatzung des Materialzuges geht inzwischen nach oben. Herr Kugel hat heute wieder Dienst und in einer halben Stunde Feierabend. Nach dem Motto Probiers mal mit Gemütlichkeit, einigt man sich darauf, heute nur noch die Kohle hier abzuladen, den Wagen zurück an das Gleis der Güterabfertigung zu bringen und den alten Materialwagen von der Bm abzuholen. Morgen könne man dann den neuen Materialwagen mit der restlichen Kohle rüber an die Rampe des Empfangsgebäudes nach Gleis elf bringen. Hinter dem dreier Personenzug könnten sie dann gleich nach Hohnstadt los, dann wären sie gegen dreiviertel vier zurück. So lang ist es nicht immer, wegen der Kohle hat das alles heute länger gedauert, erklärt ihm sein Lehrlokführer. Morgen wäre dann normaler Rangierbetrieb hier in Mehlsdorf.

    Während unten der Kohlewagen geleert wird, sind es oben die Kaffeetassen. Nach einer halben Stunde ist die Umlagerung der Brennstoffe abgeschlossen. Hintenrum macht Feierabend und will nachher mit dem Personenzug nach Hause fahren. Nach einem kurzem Wiedersehn verdrückt der sich mit Knochi in die Güterabfertigung.

    Die drei Damen vom Grill Herren vom Zug machen sich wieder auf den Weg und erledigen das restliche Tagesgeschäft, um kurz vor drei die Poolposition an Ausfahrsignal E einnehmen zu können und auf die Fahrt in den Feierabend zu warten.

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  • ...währenddessen bei den Knappschritts zu Hause.

    Stefanie fährt am Nachmittag mit Vati zusammen zum IFA-Vertrieb. Dort bekommt sie endlich ihre Simme, eine S51, so eine, wie Arne auch hat – nur in gelb. Damit fahren sie zuerst zur Tankstelle und dann ganz vorsichtig nach Hause. Einmal so ein kühner Sprung auf ein davor fahrendes Fahrzeug reicht auch ihr erst einmal, wobei sie das gerne anders darstellt. Auf dem neuen Fahrzeug ist sie wie gesagt erst einmal vorsichtig.

    019-tanken

    Stefanie hatte zur Verabschiedung ihres neuen Freundes zum Armeedienst zwar Dummheiten gemacht, es ist aber nicht so wie von Mutti Knappschritt befürchtet ausgegangen. Das hatte sich schon nach wenigen Tagen gezeigt, erfuhr Arne von Kathrin. Die Stefanie ist schon immer clever gewesen, meinte die Schwester. Die hatte schon vor längere Zeit Fachliteratur aus Muttis Regal mit den Theorien von Knaus und Ogino gelesen und warum soll sie dieses Wissen, wenn es mal drauf ankommt, nicht auch anwenden, meinte sie ganz trocken zu Kathrin.

    Jeden Tag bekommt sie seit dem Montag nach der Abfahrt der Einberufungszüge einen Brief. Manchmal auch zwei. Aus dem Land der drei Meere, da wo ihr Liebster hin einberufen wurde. Ihr Bedarf an Briefmarken hat sich inzwischen vervielfacht.

    020-HausK

    Die Briefe dafür schreibt sie meistens in der Schule. Dort ist es ihr schon immer langweilig gewesen. Lehrer, die in vergangenen Jahren versucht hatten Stefanie ihre geistige Abwesenheit vom Unterricht aufzuzeigen zu wollen, waren dabei mehrfach enttäuscht worden und dadurch auch schon einmal zum allgemeinen Gelächter der Schüler geworden. Auch dem jetzigen Direktor war so etwas schon passiert. Stefanie wusste immer um was es ging und konnte meist auch über den Unterrichtsstoff hinaus denken – manchmal auch zu weit, aber das ist ein anderes Thema.

    Andere Schüler der Klasse hatten da die Ausführungen des Lehrers und manchmal auch die von Stefanie zum Verständnis des Lehrstoffes viel nötiger. So ging sie, wenn mal wieder keiner den Lehrstoff so richtig verstanden hatte, während der Übungen, so wie der Lehrer von Bank zu Bank. Da erklärte sie mit einfachen Worten und manchmal auch mit ein paar Notizen in den Heften der Mitschüler, das für diese im Moment noch Unverständliche. Auch in den vielen Leistungskontrollen färbte dann ab und zu mal etwas von Stefanies geballten Wissen auf ihr Umfeld ab. Die Schüler wussten sich zu helfen.

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    So auch vor wenigen Tagen in der Abschlussprüfung Mathematik. Nach einem Windstoß, bei dem sich viele Blätter in der Aula verteilten, vertauschte sie mit ihrem langjährigen Banknachbarn Jürgen das Aufgabenblatt und so erhielt dieser dadurch wenigsten eine drei, statt einer fünf. Die restliche Zeit reichte trotzdem noch locker, um nochmals von vorn anzufangen, um die ihr zustehende eins erzielen können. Natürlich überprüfte die Aufsicht, dass alle ihre Blätter wieder hatten. Trotzdem gelang es Stefanie beim eiligen Aufsammeln dem Jürgen, dem es schon immer in der Schule schwerer fiel, nur „sein“ Arbeitsblatt zurückgegeben. Keiner weiter hats gemerkt und spicken brauchte Stefanie nicht, das hatte sie nun wirklich nicht nötig.

    So konnte sie in den letzten Tagen der Schule noch ungestört ihre Briefe nach Eggesin schreiben. Und noch etwas: Einen unentschuldigten Tag in ihrem Zeugniskopf konnte sie wohlwissend vermeiden, indem sie mit ihrem Eigeneintrag zur Nichtteilnahme am Unterricht von 7:30 bis 11:30 am Tag der Einberufung in ihr Hausaufgabenheft nebst mit der Unterschrift ihrer Klassenleiterin vorgesorgt hatte. Sie und einige andere Soldatenbräute waren ja für zwei Stunden etwas abwesend.

    Mutti Knappschritt und auch Kathrin meinten immer wieder mal, dass Stefanie (die Schöne und) ein Biest (in einem Stück) sei. Kann sowas sein? Warum nicht(?), schließlich gibt es einige Jahrzehnte später auch Dick und Doof in einem großen Stück!

  • Freitag (Tag20) Teil 1 – Flickschusterei

    Der letzte Tag der Woche und ein gemeinsames Aufstehen mit dem Liebsten. Ein fast ganz gewöhnlicher Freitag im Leben der beiden jungen Eisenbahner. Nach dem gemeinsamen Frühstück lief Arne gemütlich zur Lokeinsatzstelle Hohnstadt runter, sogar wenn er langsam läuft, schafft er das in zehn Minuten, wenn er sich durch die Büsche zwängt, sogar in fünf. Kathrin muss schon eine halbe Stunde früher los. Immer noch mit dem Zug. Ihre Schwalbe konnte zwar inzwischen abgeholt werden, aber damit fahren kann sie nicht mehr. Arne hat sich noch alle brauchbaren Ersatzteile ausgebaut und dann war die feierliche Verabschiedung des Altmetalls beim SERO in Hennehof. Kathrin hofft, dass sie bald wieder einen eignen fahrbaren Untersatz hat.

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    Der Arbeiterzug um dreiviertel sechs war heute pünktlich und um kurz vor sechs ist Kathrin dann auch an ihrem Arbeitsplatz. Heute mit Claudia. Die Schwester aus der Nachtschicht ist noch da, aber Leo schon weg. Den traf Kathrin noch am Bahnsteig, denn es war auch sein Zug, nur in die andere Richtung – zum Abklatschen und nen schönen Feierabend bzw. Dienst wünschen war gerade noch genügend Zeit. Simone ist in Schwatzlaune, die Schwestern haben sich in letzter Zeit nicht so oft sehen können, also werden die „wichtigsten“ Themen jetzt erörtert.

    Sie sprechen über Cordulas Wohnung. Wie weit sind die Arbeit dort vorangeschritten? Decken malern steht wohl an. Malern? Tapezieren? Traut ihr euch das zu? Wie lange will Hahn eigentlich noch Chef sein? Wollte nicht Katharina (die) Große das übernehmen? Wann war nochmal der nächste Dienstunterricht? Was war eigentlich das Thema des Letzten gewesen? Die Dienstpflichten des Stellwerkspersonals – die Bedeutung und Wichtigkeit der Zugbeobachtung. Kathrin durfte nochmals ihre Erfahrung mit dem Röhrenzug schildern. Dann kamen die bevorstehenden Bauarbeiten zur Sprache. Es soll demnächst mit den Umbauarbeiten in Mehlsdorf losgehen. Auch Hennehof wird wieder davon betroffen sein. Also ob die letzten Baumaßnahmen nicht noch genug wären, da kommen schon die nächsten, wurde sich beschwert. Das hätte man lieber nicht tun sollen – hinterher ist man/Frau ja immer schlauer. Jedenfalls fing der Leiter der Dienststelle wieder an über vergangene Zeiten zu reden.

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    „Liebe Kolleginnen.“ (der einzige Kollege war nicht anwesend und gendern war glücklicherweise noch kein Begriff), begann der betagte Chef. „Wir hier auf unserem Dienstposten haben es doch gut und Abwechslung lässt uns nicht einrosten.“ Na klar, ausgerechnet der redet über sowas, muss wohl der einheitliche Gedankentenor gewesen sein – gerade er hatte die neue Technik auf dem B1 nicht ganz verstanden und kann heute immer noch nicht richtig damit umgehen. Hahn fuhr fort: „Wenn ich noch an die Kollegen in Böllendorf denke. Dort musste der Fahrdienstleiter jahrelang mit einem Dienstfahrrad von einem Ende des Bahnhofs zum anderen rasen, um Zugkreuzungen abwickeln zu können. Mit zwei Schlüsseln im Empfangsgebäude los, an das eine Ende des Bahnhofs, die eine Weiche aufschließen, umstellen, den anderen Schlüssel raus, damit die andere Weiche freischließen und umstellen, den nächsten Schlüssel raus, ein paar Meter weiter zur Schrankenwinde – und kurbeln. Meine Damen und das bei Wind und Wetter.“ Schweigen in der Runde, lieber nichts mehr sagen. „Dann wieder auf das Fahrrad an das andere Ende des Bahnhofs und hier das gleiche Spiel mit den Schlüsseln und Weichen.

    Nun zurück zum Empfangsgebäude und die erhaltenen Schlüssel ins Hebelwerk, die Fahrstraßenhebel umgelegt, und die Einfahrsignale ziehen. Nebenbei noch ein paar Fahrkarten verkaufen. Wenn die Züge drin sind, die Einfahrsignale auf Halt, die Schlüssel wieder aus dem Hebelwerk raus und wieder aufs Fahrrad. Wieder die Weichen aufschließen, umstellen und zuschließen, zurück zum Empfangsgebäude, die Schlüssel wieder ins Hebelwerk, festlegen, dann beide Züge vorausmelden und nun mit der Patsche raus und die Züge abfahren lassen. Dann wieder mit dem Fahrrad los, die Schranke hochkurbeln. Meine Damen und das alle ein bis zwei Stunden. Ich habe dort selbst mal eine Woche Dienst tun müssen.“, meint der Bahnhofschef noch wichtig. „Ja und jetzt sitzen die sich in einem Russenstellwerk den Arsch breit.“, kam mit anschließendem Gelächter der Kommentar von Simone an diesem Nachmittag. „Ja, richtig!“, fährt der Chef unbeeindruckt fort. „Die EZMG-Technik unseres sozialistischen Handels- und Kooperationspartners konnte dort binnen eines Vierteljahres realisiert werden. Eine enorme Arbeitserleichterung. Wie auch bei euch auf dem Stellwerk, oder wollt ihr behaupten, dass die Arbeit nicht einfacher geworden ist und sich die Mühen der Bauarbeiten nicht gelohnt haben?“ Diese Frage konnte und wollte keiner der Anwesenden verneinen, so schwieg das anwesende Kollektiv lieber.

    Am Ende kündigte der Chef den nächsten Dienstunterricht an, in dem es ausschließlich um die bevorstehenden Baumaßnahmen gehen werde. Einige Kollegen technischer Dienststellen werden auch anwesend sein und die Abläufe mit erörtern.

    003-MehlsdorfW2

    Es ist zehn vor sieben. Simone schaut auf die Uhr. „Oh, da haben wir aber die Zeit verschwatzt.“, grinst und schnappt ihre Sachen. „Dann will ich mal los. Tschüss ihr beiden.“ Die Tür klappt und die Zugmeldeleitung von Mehlsdorf leuchtet. Der Schülerzug für um sieben will wohl kommen. Der Gegenzug gleich danach. Um halb acht dann der Schnelle und zwischendurch ein paar Güterzüge. Gegen viertel neun wird eine Lz gemeldet. Kathrin weiß Bescheid und eilt ans Eckfenster. Arne zuckelt durch die drei mit seinem Lehrlokführer in Richtung Mehlsdorf, wo er seinen Arbeitsalltag bestreiten darf.

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    Halb zwölf klopft es unten an der Tür. Der Streckenläufer ist da und wird von Kathrin nach oben geleitet. Oben angekommen trägt er sich für seinen Weg von Hennehof nach Mehlsdorf in das Nachweisheft für den Streckenläufer ein. Noch einen schnellen Kaffee, die obligatorische Frage wegen Sonderfahrten: „Was ist so los auf der Strecke?“ und ein Toilettengang. Kathrin hat inzwischen in Hohnstadt Bescheid gegeben, dass der Kollege hier angekommen ist und meldet ihn nach Mehlsdorf „voraus“. Claudia hängt sich das Achtungsschild für Fahrten in Richtung Mehlsdorf ans Pult – nur falls es zu einer Falschfahrt kommen würde – sicher ist sicher. Der Streckenläufer ist grundsätzlich auf dem linken Gleis unterwegs, dem Zugverkehr entgegen. Die Klospülung rauscht, dann ein „Bis zum nächsten mal.“ und Arno Schwellentreter macht sich auf den Weg zur nächsten Dienststelle.

    005-Streckenlaeufer

    Der schnöde Alltag ist zurück, nichts Aufregendes. Um 12:20 Uhr meldet sich die Zugmeldeleitung mit Rufzeichen von Hennehof – einmal kurz, einmal lang. Wer soll das sein, es ist keine Zugfahrt unterwegs. Der Streckenläufer? Oder erlauben sich die Herrschaften des Waldes mal wieder Spielchen? Claudia geht ran. Es ist der Streckenläufer, der sich von einem der Streckenfernsprecher meldet.

    „Streckengänger Schwellentreter am Kilometer 9,5. Schienenbruch am Kilometer 10,1 am Streckengleis Hennehof-Mehlsdorf. Zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 10 km/h von km 9,8 bis 10,3.“ Claudia schaut auf ihr Pult, der Gleichstromkreis ist noch nicht gestört – ein Glück. So gibt es nur den entsprechenden Vorsichtsbefehl für die Fahrten in Richtung Mehlsdorf.

    006-amF

    Für jeden Zug in diese Richtung darf Kathrin sich die Sh2-Flagge schnappen, diese dann über das Gleis halten und den Befehl dann unten persönlich überreichen. Haben die Lokführer wieder was Schönes anzusehen, quasi als kleine Entschädigung für die dann eingefahrenen Verspätungsminuten. Zunächst gibt es aber nichts zu Glotzen, weder für die Lokführer noch für die wartenden Herrschaften auf dem Bahnsteig – die nächste planmäßige Zugfahrt wäre erst in 25 Minuten. Jetzt erst mal den Dispatcher verständigen und dann die Bm in Hohnstadt, dass die den Bruch zumindest laschen. Die von Mehlsdorf kommen nicht, da es nicht deren Zuständigkeitsbereich ist, die sind für den Abschnitt in Richtung Neu-Zwintschritz zuständig. Diese Faultierbande wird allerdings nach dem Streckenumbau nicht mehr dort ansässig sein. Bereichszusammenlegung mit Hohnstadt, das soll die Dienstwege verkürzen und für Kosteneinsparungen sorgen. Nach 15 Minuten kommt der Chef auf den Turm. Woher weiß der denn schon wieder was hier los ist? Er lässt sich die betriebliche Situation kurz erläutern, nicht ohne darauf hinzuweisen, ob denn die Damen nun einsehen würden, warum eine Streckenertüchtigung so von Nöten ist. Die Frauen nicken und widmen sich eifrig ihrem Dienstgeschehen. Nach drei Minuten geht der Chef wieder in sein Büro. „Nur lange genug ignorieren, dann geht der von allein wieder.“, sagt Claudia und es klingelt von Hohnstadt und der SKL wird als Kleinwagenfahrt mit einem gezogenen Wagen von dort angekündigt. Claudia nickt Kathrin zu und die nimmt ihn an. Das entsprechende Kleinwagenschild kommt an die Signaltaste S.

    006-KL1-an-S

    Gleich geht es weiter...

  • Dann zu Kathrin: „Frag den Dispatcher wegen der Gleissperrung nach Mehlsdorf und der Fahrt für den SKL bis zum Schienenbruch auf dem Regelgleis.“ Der sagt dem allen sowie der Reparatur zu und Claudia gibt weitere Anweisungen an ihre Zugmelderin: „Gleis nach Mehlsdorf sperren und KL1 vorausmelden.“ Kathrin sperrt das Gleis Hennehof-Mehlsdorf, indem sie einen Sperr-Rahmen ins Zugmeldebuch zeichnet und mit Mehlsdorf diese Sperrung verabredet. Den KL1 meldet sie gleich mit voraus. Am Einfahrsignal S hält der SKL an, der Fahrer geht zum Signalfernsprecher und meldet sich bei Claudia, die diktiert ihm fernmündlich eine Fahrtanweisung (entsprechende Vordrucke liegen im Kasten des Fernsprechers). Anschließend fährt der am Halt zeigenden Signal S vorbei und weiter als Rangierfahrt durch den Bahnhof. An Signal E leuchten Bereits die Optiken des Ra 12, sodass er als Sperrfahrt in Richtung Mehlsdorf auf dem jetzt gesperrte Regelgleis bis km 10,1 weiterfahren kann. In der Fahrtanweisung steht zusätzlich, dass der KL1 zur Rückfahrt bis zum Einfahrsignal B von Hennehof kommen soll. Das Kleinwagenschild hängt Claudia jetzt an Streckentaste für das Regelgleis Hennehof-Mehlsdorf.

    007 -Reparatur

    Solange die Reparaturarbeiten laufen, herrscht eingleisiger Behelfsbetrieb von und nach Mehlsdorf. Kathrin hatte im Zugmeldebuch bereits den Sperr-Rahmen eingetragen. Befehle austragen bleibt, nur jetzt als Grund „Fahrt auf dem linken Gleis“ in Richtung Mehlsdorf. Claudia nimmt diese Züge nach eins. So können sie gegebenenfalls eine Zugkreuzung abwarten und für Kathrin ist es sicherer. Für die Einfahrt bekommen sie Hl12a = 40km/h ermäßigen Halt erwarten an der S angezeigt. Die Vs macht dazu ein herrliches Hl7, in Form eines schönen gelben Blinklichtes im 1Hz Rhythmus. Kathrin stoppt die Züge mit der Fahne zur Befehlsübergabe in Höhe Empfangsgebäude. Nach 35 Minuten klingelt die Truppe vom SKL vom Signalfernsprecher B an und Claudia lässt sie nach Gleis eins ein. Die entern den Stellraum, erbetteln sich einen Kaffee und geben das Streckengleis Hennehof - Mehlsdorf wieder frei. Freudig meldet Claudia den SKL zurück nach Mehlsdorf und hebt die Gleissperrung wieder auf. Damit ist von und nach Mehlsdorf wieder der zweigleisigen Regelbetrieb möglich und der schnöde Betriebsalltag kann weitergehen. Das Kleinwagenschild verschwindet erst mal wieder vom Pult. Nachdem die Gleisbauer ihren Kaffeedurst gestillt haben, meldet Claudia den SKL nach Hohnstadt ab und sichert den Fahrweg. Mit einem weiteren Fahrauftrag geht es für den SKL wieder nach Hohnstadt zurück. Das Kleinwagenschild kommt nun an die Streckentaste Hennehof-Hohnstadt und nach der Rückmeldung des Gefährtes aus Hohnstadt wird es wieder in die Schachtel mit den anderen Hinweis- und Warnschildchen wandern.

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    Die restliche Zeit bis zum Feierabend verläuft dann wieder friedlich. Die Ablösung kommt heute nur für den Fahrdienstleiter, der heute in der Spätschicht allein zurechtkommen muss. Heute trifft es Karola Lockewitz. Immer noch zu wenig Leute. Um 14:12 Uhr fährt Kathrin mit dem Personenzug heim. Als sie zu Hause ankommt, begrüßt sie nur der Familienkater Leopold.

  • Freitag (Tag20) Teil 2 – Warten auf die Flickschusterei

    Altmann und Arne rumpeln gemächlich durch den Mehlsdorfer Wald. Schon oft haben hier die „Freunde“ die Gleise mit allen möglichen Gefährten oder Personengruppen unrechtmäßig überquert. Aber was ist schon Recht, wenn man es sich selbst zurechtbiegen kann – dann nützen auch die schönsten Fahrdienstvorschriften nichts. Schon lange wartet man auf die Behelfsbrücke, die die Pioniertruppe errichten sollte. Es mangele an entsprechenden Baumaterialien, heißt es offiziell – hinter vorgehalter Hand munkelt man allerdings, dass es nicht am Material, sondern eher am Willen mangelt. Jedenfalls heißt es auf diesem Streckenabschnitt immer Augen auf! Gerade sie als kleine einzelne Lok hätten da nicht so besonders viel Spielraum.

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    Vorsignal Gs zeigt ein schönes gelbes Blinklicht und am zugehörigen G sind dann die beiden entsprechenden gelben Lichter für die Fahrt nach Gleis drei zu erblicken. „Mach langsam.“, meint sein Lehrlokführer, „Ist Freitag und wir haben Zeit.“ So lässt sich Arne schön bis Ausfahrsignal D ausrollen. Am Bahnsteig wartet bereits Karin von der Aufsicht. Sie winkt mit dem Funkgerät. Altmann schaut auf Arne. Der versteht und will von der Lok steigen. „Willst das hier alles so stehen lassen?“, fragt er ihn. „Na, du bist doch hier.“ „Na und?!“, entgegnet der ihm etwas lauter. „Junge, du bist für die Lok verantwortlich. Wenn mich nun der Alte heute schon holen will, was dann? Dann rollt dir die Lok bis hinter in den Militäranschluss und von DA, mein Junge, willst DU die sicherlich nicht zurückholen.“ Arne versteht und bremst die Lok mit der Handbremse an. „Auf andere Fahrten achten, junger Mann.“, ruft Altmann ihm hinterher. „Sonst gehen wir womöglich heute beide gemeinsam in die ewigen Jagdgründe ein.“ Und kopfschüttelnd vor sich hinbrubbelnd: „Diese Jugend von heute…immer alles schnell, schnell.“

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    Lächelnd überreicht Karin ihm das Funkgerät. „Ihr sollt dann rüber an den Schuppen. Frauke lässt euch vor, gebt ihr kurz Bescheid.“ Frauke Draller, Weichenwärterin vom W2, schaut schon abwartend aus dem Fenster. Ihr Bereich ist hier hinten. Die Weichen fünf und sechs liegen sowieso schon in Plus, sie muss nur noch das Ra12 am Signal D ziehen, wenn die Herrn dann mal bereit sind. Arne kommt zurück und legt das Handfunkgerät auf die Armaturen. „Rauscht heute wieder, meint sie.“, sagt Arne und schaut fragend auf seinen Meister. Der will hier erst mal weg und stellt Arne die Erklärung dessen für später in Aussicht. Das Typhon kurz angetippt und die beiden Lichter für das Vorziehen nach 3a erstrahlen. Hier hinten haben sie Ruhe, alles Handweichen und sie sind die Einzigen hier in diesem Bereich des Bahnhofs.

    Nun, sie sind fast allein hier, die Herren aus dem Faultierhaus der hiesigen Außenstelle der Bm gibt es ja auch noch. Schon oft mussten sie sich die Frage stellen lassen, ob ihr SKL nicht schon an den Gleisen festgerostet wäre, so wenig, wie sie sich hier bewegen. Dabei spielte der braune Barkas bei der Beschaffung gewisser Fenster erst letztens eine entscheidende Rolle. Ganz untätig ist man hier nicht. Leider sieht das die Rbd etwas anders und mit dem bevorstehenden Streckenumbau und der Aufschaltung des Bahnhofes nach Neu-Zwintscheritz sind diese beiden Planstellen dann Geschichte. Über die Weiternutzung der Gebäude gibt es noch keine Pläne, vermutlich wird es ihnen wie denen am Haltepunkt Zwintscheritz ergehen – sie werden ganz wahrscheinlich Bestandteil der Gleisvegetation werden. Thorsten Fleck und Mike Bolzner sind schon mit ausräumen beschäftigt. Es hat sich viel angesammelt und alles, was nicht mehr unmittelbar für ihre bedeutende Beschäftigung hier vor Ort (also fast alles) benötigt wird, soll schon mal zu ihrer neuen Dienststelle nach Hohnstadt überführt werden. Arne wird dafür nachher den Materialwagen hier bereitstellen. Den nehmen sie heute Nachmittag gleich wieder mit rüber.

    012-schwatzen

    Die beiden Aktivisten der Arbeit stehen gerade beratend vor der Tür ihrer Unterkunft, als die Kleinlok eintrifft. „Kaffee fertig?“, fragt Altmann die beiden und grinst. Hände werden feste gedrückt und Arne beäugt. „Der Neue?“, fragt Mike. Altmann nickt. Man kennt sich schon lange und hat schon viele gute und schlechten Zeiten hier erlebt. Der Abschied fällt dann doch schwer. Altmann geht in Rente und die beiden werden nach Hohnstadt versetzt – man trifft sich aber noch im Skatclub. „Komm Junge, wir können erst in ner halben Stunde rüber, da ist Zugpause.“, sagt sein Lehrlokführer und verschwindet in der Bude der Bm.

    Um elf poltert Frank „Knochi“ in die gute Stube. Zeit sich auf den Weg zu machen. Arne startet die Lok und es geht über Gleis 15 vor zum B1. Die Weichen hatte der Ladehelfer alle schon richtig gelegt. Arne meldet sich über Funk beim Fahrdienstleiter und schildert ihr Anliegen. Immer wieder wird das Funksignal von einem lauten Rauschen übertönt. Die Verständigung gestaltet sich schwierig. Altmann erklärt, dass das heute noch ganz gut funktioniert. An manchen Tagen ist der Funk so gestört, dass nur Rauschen mit irgendwelchen blechernen Piepgeräuschen zu hören ist. „Liegt an dem Russenradar.“, meint der und Arne versteht nun die Bemerkung von Karin. „Gewöhn dich dran.“, sagt sein Ausbilder. Am B1 schaut Kugel aus dem Fenster und Arne erklärt nochmals ihr Vorhaben. Über Weiche acht nach Gleis vier. Dort die Güterwagen alle ins Seitenrampengleis 15 umsetzen, von da wieder zurück an den Güterschuppen und die Kohle und den Materialwagen rüber nach Gleis 11 an die ehemalige Gepäckrampe des Empfangsgebäudes bringen.

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    Die Zugpause reicht aus, dass sie über die Weichen neun, zehn, elf, zwölf und dreizehn auf das Streckengleis rausziehen. Von da geben sie kurz Signal und Kugel holt sie mit der Winkscheibe wieder rein, damit sie die Wagen an die Gepäckrampe bekommen. Dort ist wieder Pause, diesmal bei Karin in der Aufsicht - die Mittagszüge abwarten. Knochi darf inzwischen die Kohlen runterschaufeln und den Materialwagen entladen. Halb eins dann die Fuhre wieder zurück, aber diesmal in das Gleis der Bm, dann den Materialwagen beladen und gegen halb drei mit allen restlichen Wagen zurück nach Hohnstadt. So der kühne Plan.

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    Kurz vor halb eins schleicht sich der Schnelle vom Mittag nach Gleis zwei und bleibt vor Signal F stehen. Fenster öffnen sich und einige der Reisenden machen lange Hälse. Warum hält man hier mitten in der Pampa? Kugel ruft die Aufsicht. Karin geht ran, macht Hmm und ja und legt wieder auf. „Tja, meine Lieben, so schnell kommt ihr hier nicht mehr weg. Wir haben Streckensperrung wegen Schienenbruch. Regelverkehr hat Vorrang und es geht eingleisig nach Hennehof rüber. Da bleibt keine Lücke für euch.“ „Und das aufm Freitag!“, grummelt Altmann und lässt sich zurück auf die Couch in der Aufsicht fallen. Nach einer halben Stunde überlegt man die ganze Fuhre hier einfach stehen zu lassen und mit dem Zug nach Hohnstadt zu fahren. Da wären aber noch die Kollegen von der Bm, die ihr Material verladen möchten und die leeren SERO-Wagen von gestern müssen auch noch zurück. Das habe man nun davon, wenn man andere Leute Arbeit mitmacht, ist der Tenor vom Altmann. Arne solle lieber schnell diese Lektion lernen.

    015-D-Zug

    Die Zeit vergeht und die Zeiger der Wanduhr im Aufsichtsbüro bewegen sich auf viertel zwei zu. Es rauscht im Funk. Kugel verlangt die Kleinlok zu sprechen. Es wäre jetzt frei und sie können rüber. Man eilt zur Lok und macht sie startklar. Die Gleissperre ist schon runtergeklappt und Kugel winkt sie raus. Es geht über die Einfahreichen wieder nach Gleis vier (Güterrampe) und von da direkt durch nach Gleis 19 an die Bm. Hektisches Aufladen folgt, alle wollen pünktlich Feierabend machen. Sie müssen noch sämtliche Wagen zusammenschieben, sie sollen alles mit nach Hohnstadt nehmen. Das wird eine ordentliche Fuhre und eine entsprechend längere Fahrt. In Gleis vier wird alles gesammelt. Nach einer Stunde ist auch der Materialwagen beladen – voll bis oben ran, meinen Mike und Thorsten. Kurz Luft pumpen, eine einfache Bremsprobe und es geht wieder am Ra12 und am B1 vorbei zurück nach Gleis vier. Hier heißt es wieder warten. Genug Zeit, um die Schlussscheiben aufzusetzen und noch einmal die Bremsprobe zu machen. Es geht auf drei Uhr zu. Als der Personenzug nach Hennehof durch ist, raschelt es wieder im Funk und Haberlich (die Ablösung für Kugel) lotst sie nach Gleis drei.

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    Das Funkgerät haben sie am B1 schon abgegeben und in Aussicht gestellt bekommen, dass sie in zehn Minuten los können. Es dauert. Ein langer Güterzug schleicht sich durch zwei. Fünf Minuten später kommt Bewegung in das Gleisvorfeld. Arne kann beobachten, wie sich die Seilzüge der Weichen bewegen und sich diese entsprechend ihres gewünschten Fahrweges einstellen. Dann klappern die beiden Flügel von E und ein Hp2 gibt ihnen den Weg in den Feierabend frei. Mit zwei Überstunden mehr machen sich die beiden Genrationen von Lokführen auf den Weg in ihr Wochenende.

    017-Ausfahrt

  • Samstag – Familientreffen mit einer Überraschung

    Wochenende nach einer ereignisreichen Arbeitswoche.

    Für den Samstag steht die weitere Annäherung beider Familien auf dem Plan. Mittagessen bei den Stenzers im Garten – Kaffee dann bei den Knappschritts. Arne und Kathrin sind gleich nach dem Frühstück in die Gartenparzelle am Bahndamm gefahren. Arne wurde von seinem Vater zur Gartenarbeit verdonnert. Es könne ja nicht angehen, dass der Herr sich nur noch mit seiner Herzdame trifft und dabei seine Pflichten für Haus und Hof vernachlässigt, waren einige der Worte, die Kathrin mitbekommen hatte. Ein Grinsen konnte sie sich nicht verkneifen, als Mutter Stenzer sie mit zum Tor hinaus zu einem kleinem Einkaufsbummel in die Innenstadt mitgenommen hatte. Durch die Läden schlendern und schauen, was sich dabei in den Dederonnetzen so alles einfinden würde. Beide laufen vor zur Haltestelle am Sportplatz, von dort kommen sie mit dem Bus in zehn Minuten in die Innenstadt.

    001-zumBus

    Auf alle Fälle wollen sie zum dortigen Fleischer. Zum Mittag soll es Koteletts mit frischen Bohnen aus dem Garten und Kartoffeln aus dem Keller geben. Vorher wollen die beiden aber in die Damenboutique. Kathrin hat sich dort neue und verführerische Unterwäsche zurücklegen lassen. Als sie die begehrte Ware begutachtet wird auch Mutter Stenzer neugierig. Ob es die auch noch in ihrer Größe gebe und wenn möglich in rot? Kathrin kann was regeln und letztendlich landen in den Netzen beider Damen die entsprechenden Mieder.

    Weiter geht es vorbei am Kurzwarengeschäft. Mutter Stenzer braucht neues Stopf- und Nähgarn – die Arbeitskleidung der Männer bedarf immer wieder neuer Instandsetzungsarbeiten. So viele Löcher, wie sie stopfen muss, so schnell kommt sie mit dem Garn kaufen gar nicht hinterher. Gleich noch etwas Stoff für einen neuen Kissenbezug und etwas Wolle für Wintersocken dazu mitgenommen (Weihnachten kommt ja auch noch). Die Netze werden voller.

    002-einkaufen

    Im Delikatladen wird noch entsprechend hochwertiges Hochprozentiges erworben sowie die eine oder andere Süßigkeit dazu gepackt. Dem Anlass entsprechend wird sich schon mal etwas in Kosten gestürzt. Im Schuhladen und bei der Spowa gab es nichts Besonderes und Brauchbares. Der Trainingsanzug für Arne war in seiner Größe und Wunschfarbe nicht vorrätig – ASK braun zählt nicht. Am liebsten hätte er ja einen in blau mit weißen Streifen, aber nicht zwei sondern drei dergleichen – aber da braucht er in der Spowa nicht danach suchen.

    Schließlich reihen sich die beiden Damen in die Reihe vor dem Fleischer ein. Es gibt heute unverhofft Rouladen, was sich in dem Viertel rumgesprochen hat – dementsprechend ist der Andrang. Nach zwanzig Minuten sind sie beide an der Reihe und zusätzlich zu den Koteletts landen auch noch drei Stücke des „Sonderangebotes“ in den Einkaufsnetzen. Jetzt schnell zur Haltestelle vorn am Chemiewerk, der Bus kommt in fünf Minuten.

    Wieder im Garten angekommen kümmert sich Mutter Stenzer um das Mittagessen. Arne hat schon Kartoffeln geschält und steht gerade rauchend mit seinem Vater auf der Veranda. Die beiden Herren sind der Meinung ihre Arbeit für heute getan zu haben und begeben sich nun zu einem Fachgespräch in den Schuppen. Vorher muss aber noch Platz im Kühlschrank geschaffen werden – also Flaschen raus und Fleisch rein.

    003-Mittag

    Kurz vor halb eins kommen die Knappschritts – Mutter, Vater, jüngere Tochter – bei den Stenzers im Garten an. Die Geschlechterteilung wird zunächst beibehalten und jeder geht seinen entsprechenden Tätigkeiten bis zum Essen um eins nach. Danach wird sich um den Abwasch gekümmert und ein kleiner Verdauungsschnaps macht die Runde. Bis um zwei Uhr nachmittags sitzt man am großen Tisch unter dem Vordach des kleinen Bungalows und tauscht sich über dies und das und jenes diesseits und jenseits der Ländergrenzen aus. Der zweier Personenzug nach Hennehof gibt schließlich den Startschuss zum Aufbruch, um 15 Uhr ist Treffen beider Familien bei den Knappschritts.

    004-Zweier-Zug

    Halb drei finden sich beide Familien im Garten des Standard-Einfamilienhauses der Knappschritts in der Ackerstraße ein. Sogar Kater Leopold begrüßt die Gäste und lässt an sich die neuen Hände ausprobieren – neue Hände streicheln schließlich gut. Schließlich verschwindet er nach kurzer Zeit wieder und schlendert Richtung Küche. Dort gelingt es ihm schnell und unbemerkt rings um den Kirschstreusel die Ränder anzuknabbern, einen nicht unwesentlichen Teil der Streusel sowie zwei Pflaumen des für die Besucher bestimmten Kuchens sich zu Gemüte führen. Gerade wollte Stefanie den Kaffee ansetzen, da erwischte sie ihn auf frischer Tat, jedoch viel zu spät – der Kuchen war ruiniert. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie etwas Schwarz-weißes vom Tisch plumpste und schnappte sich das sieben Kilo-Kampfgewicht, als der sich gerade fluchtartig vom Acker machen wollte. Unter Protest des Missetäters wurde dieser nach draußen getragen und unter theatralischer Schilderung des Kuchenschadens der bereits versammelten Gesellschaft vorgezeigt. Nachdem er dies über sich ergehen lassen hatte, flüchtete er sich unter die Bank an der Garage und putze die nächste Stunde ausgiebig seine nicht unbeträchtliche Fellfläche.

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    Der Kaffee war nach kurzer Zeit fertig, der Kuchen aber von der Katze angefressen. Was nun? Mutti Stenzer fragte, wer mitkommt, um bei ihr zu Hause Ersatz zu holen. Mutter Knappschritt meldet sich freiwillig und beide Damen gingen in Richtung Vorgarten. Kurz danach war das Aufheulen des 75PS 4-Takt-Reihenmotors des 1500er Ladas der Familie Knappschritt zu hören und die beiden eilten los den Ersatzkuchen zu holen, bevor der Kaffee kalt werden würde. So wurde der Sonntagskuchen der Stenzers schon am Samstag gegessen.

    Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken machen sich die Stenzers auf den Heimweg. Arne bleibt noch zum Grillen und kommt mit Kathrin dann später nach. Frühstück für die beiden an diesem Sonntag dann bei Arne – Mutter Stenzer freut es. Auf dem Nachhauseweg kommt Vater Stenzer zu dem Schluss, dass Stefanie ein ziemliches Abziehbild ihrer Schwester Kathrin ist, aber doch viel wilder, als Vati Stenzer es gern haben möchte. Er braucht wie gewohnt etwas Ruhigeres, seine Frau ist doch die Richtige. Lachend und mit Armen um die Taljen schlendern sie nach Hause. Um Stefanie muss und soll sich doch ein anderer (Ingo) kümmern. Unsere Leser werden es schon bemerkt haben – da bahnt sich was an.

    006-nachHause

    ...weiter geht es gleich...

  • Als die Würste auf dem Grill bereits brutzeln, klingelt es an der Tür. Vater Knappschritt hatte letztes Jahr extra eine laute Klingel an der Hauswand der Gartenseite angebracht. Das Alteisen ließ sich im Schuppen der Werksfeuerwehr finden – die war noch „übrig“ und als ehemaliger Feuermelder tut sie nun laut genug ihren Dienst im Garten der Knappschritts. Wer aber klingelt um diese Zeit noch vorn an der Tür? Seid Stefanie mit ihrem Armeefreund Briefe schreibt, geht sie nicht mehr in den Besen. Ihre Freundinnen, die übrigens etwas sauer auf Steffie sind, ohne sie ist es nur halb so lustig, können es also nicht sein. Um auf Nummer sicher zu gehen und um ihre Neugier zu stillen geht sie trotzdem nach vorn.

    Vor der Gartentür steht Otmar Sippenlos und möchte die beiden Fräuleins sprechen, welche er beinahe totgefahren hätte. Stefanie überlegt kurz und der fragende Blick in ihrem Gesicht entgeht dem betagten Herrn nicht. Er erinnert sie an ihren kürzlich zurückliegenden Unfall und da dämmert es ihr. Sie macht das Tor auf und bringt ihn nach hinten in den Garten. Nach kurzer Erklärung und Vorstellung nimmt der Herr Sippenlos das angebotene Wasser danken an und beginnt zu erzählen.

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    Otmar Sippenlos, ein alter kranker Mann, der nach seinen Erlebnissen des Unfalles nicht mehr Auto fahren will, stellt sich nochmals vor. Die Bilder der zerknautschten Schwalbe gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er hat so viele Tote in seinem Leben gesehen, da ist er froh, dass die zwei Mädchen unversehrt geblieben sind. Sein Trabant 600 Kombi, einer der letzten aus dem Baujahr 1965, ist gerade in der Werkstatt. Der ist vorn und hinten lädiert. Die Formalien mit der Versicherung sind bereits geklärt und die wird den größten Teil der Rechnung auch bezahlen. Er bekam sogar das Angebot von der Versicherung eine Limousine an Stelle der Reparatur seines kaputten Kombi zu erhalten. Dafür sollte er den lediglich als Ersatzteilspender der Vertragswerkstatt überlassen.

    Nein, das hat er abgelehnt, denn dann würde seine Anmeldung für einen neuen Trabant verfallen. Herr Sippenlos kommt auf den Punkt. Kathrin soll das reparierte Auto vom Herrn Sippenlos geschenkt bekommen. Das wird sogar in vielen Details noch auf neuesten Stand umgebaut. Dazu hat Herr Sippenlos etliche Ersatzteile in seinem Keller gehortet, die jetzt eingebaut werden sollen. Bei den Knappschritts ist man zunächst sprachlos.

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    Aber das ist noch nicht alles. Nachdem man sich, vor allem Kathrin, etwas gefasst hat, zieht er eine Autoanmeldung hervor, die soll für die andere Dame sein, die mit aufs Dach des Wartburgs geflogen ist. Stefanie bekommt große Augen und schaut fordernd auf ihren Vater. Man bespricht diesen Fall, unter anderem auch, dass Stefanie noch keine 18 ist. Oh, das wusste Herr Sippenlos nicht. Die Anmeldung läuft für einen Trabant 601 Universal und die Wartezeit endet voraussichtlich Mitte nächsten Jahres, dann wäre die Auslieferung. Ein weiterer Knackpunkt ist die Anmeldung selbst. Die läuft auf Herrn Sippenlos und ist nicht übertragbar. Immer wieder gibt der ältere Herr zu verstehen, dass er nicht mehr Auto fahren möchte. Erben gibt es keine und er möchte den beiden Damen so gern etwas Gutes tun. Die kesse Stefanie schaut ihren Vater wieder mit großen Kulleraugen an. Nicht ohne Wirkung. Vater Knappschritt wäre nicht der, der er ist und hat wieder eine Idee. Ein Testament des Herrn Sippenlos zu ihren Gunsten würde die Problematik beheben.

    Die Kosten für den Notar wollte der Herr Sippenlos auch noch übernehmen, aber das ließ Vati Knappschritt nicht zu. Darum werde er sich kümmern. Er wird einen Termin vereinbaren, seine Kontakte als Leiter der Abteilung Produktentwicklung bei Collid-Chemie machen das relativ schnell möglich. Die Kontaktdaten werden ausgetauscht, in zwei Wochen würde man Näheres wissen und vereinbart ein erneutes Treffen. Der ältere Herr möchte jetzt gehen und lehnt eine Thüringer vom Rost dankend ab. Er möchte auch nicht gefahren werden, zu Fuß sei er noch ganz gut unterwegs und die Bewegung an so einem schönen Sommerabend tue ihm gut. So bringt ihn Steffie wieder zum Tor und verabschiedet sich. Der rüstige Rentner wackelt den Gehweg der Ackerstraße in Richtung Vorstadt. Auf Stefanies Gesicht breitet sich ein breites Grinsen aus. Nächstes Jahr wird sie 18 und ein eigenes Auto ist in greifbare Nähe gerückt. Werden jetzt etwa die Knappschritt-Schwestern das Pendant zu den Füchsinnen in Hennehof? Wir werden es bald erfahren.

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    Kathrin und Arne sowie das kleine Schreiberteam dieser (endlosen) Geschichte wünschen allen Lesern und EEP-Freunden ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr - wo es dann auch mit der Story weitergehen wird..:)8)

  • Wie angedroht angekündigt, geht es im neuen Jahr mit der Eisenbahner-Alltags-(Liebes)Story weiter. Gesundes neues Jahr für alle Mitleser und Mitleserinnen und für alle anderen auch :D8)

    Nun aber weiter - wir erinnern uns. Es ist Wochenende, genauer gesagt Sonntag früh und Stefanie hat etwas vor.

    Sonntag – Tagesausflug in das Land der drei Meere

    Stefanie hat sich mit Cordula Grüneisen verabredet. Es geht nach Eggesin zu ihren Männern. Für Stefanie noch ihr Schwarm – für Cordula schon der Ehemann, beide müssen dürfen bei Erichs Garden ihren Dienst tun. Heute ist das erste mal Kasernenausgang und alle Männer können ihren Besuch in der Kasernengaststätte empfangen.

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    Früh um fünf treffen die beiden Damen sich in Hohnstadt am Banhsteig zwei – von da geht es erst mal mit dem Eiler nach Leipzig Hbf. Dort umsteigen und bis Berlin – dort nicht nur den Zug, sondern auch gleich noch den Bahnhof zum Umsteigen wechseln, um von Berlin-Lichtenberg nach Pasewalk zu gelangen. Auf dem Weg genießt Stefanie immer wieder den Ausblick aus dem offenen Klappfenster im Seitengang des zweite Klasse-Modernisierungswagens. In Prenzlau kann sie einen Blick auf das neue Befehlsstellwerk B1 erhaschen. Ein Spurplanstellwerk (was sie aber noch nicht weiß) und vom Gebäudetyp so eines wie in Mukran. Sie denkt darüber nach, ob sie auch einmal auf/in so einem Gebäude arbeiten wird. Ihre Gedanken schweifen ab.

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    Cordula stupst sie in die Seite und bietet ihr eine Kabinett aus ihrem Zigarettenvorrat an. Beide rauchen stumm auf dem Gang und je näher sie Pasewalk kommen, desto höher wird der Anteil jüngerer und weiblicher Fahrgäste in diesem Zug. Ankunft in Pasewalk und ein letztes Mal den Zug wechseln. Am Bahnsteig gegenüber steht der Personenzug nach Ueckermünde bereit und wird von den jungen Frauen geentert. Einen Sitzplatz mit braunem Bezug (natürlich Raucher!) in einem der Vierersitzgruppen des Standard-Reisezugwagens der Gattung Bghw ergattert und die letzte Etappe der langen Fahrt kann beginnen. Bei Jatznick geht es nach rechts auf die Nebenbahn ab.

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    Nach einer guten halben Stunde endlich Ankunft in Eggesin. Ein Pulk schwatzender und aufgeregter Frauen setzt sich in Richtung Kasernengelände in Bewegung. In gut drei Stunden werden sich die meisten wieder hier einfinden und den Heimweg antreten. Was tut Frau nicht alles, um ihren Geliebten für zwei Stunden nach fast einem viertel Jahr Trennung wiedersehen zu dürfen. Cordula nutzt die Gelegenheit, um auf dem Weg in einer der hiesigen Pensionen nach zwei Zimmern für sie und Stefanie zu fragen. In vier Wochen haben die Männer Wochenendausgang und die Zeit möchte sinnvoll genutzt werden. Es stellt sich heraus, dass sie nicht die Einzigen mit dieser Idee waren und es gestaltet sich schwierig noch freie Zimmer zu ergattern. Jedoch findet sich noch etwas zu diesem Termin für verheiratete Frauen (natürlich nach Vorlage des Ausweises) und Cordula bezahlt die Unterkunft auch gleich im Voraus – so kann hoffentlich in der Angelegenheit nichts mehr dazwischen kommen.

    004-Pension

    Nun heißt es vor dem Kasernengelände warten. Selbst nach Dienstschluss dauert es noch eine gefühlte Ewigkeit, bis die Männer aus dem Kasernengebäude kommen. Mit dem Sackgang ließen sich die Offiziersanwärter schön Zeit. Ein loser Knopf, ein „unordentlicher“ Spind oder eine Wollmaus unter einem Feldbett ließ sich oft und gern finden. Nach weiteren 30 Minuten ist es so weit und die Glatten dürfen das erste Mal Besuch empfangen. Allerdings dürfen sie sich auf dem Gelände nur ins Casino gehen oder sich auf dem Vorplatz aufhalten. Stefanie erblickt ihren Ingo und fällt ihm um den Hals – ein wildes Geknutsche folgt. Cordula schließt ihren Mann in den Arm und legt ihren Kopf auf seine starke Brust. Sie genießt diese Nähe. Tränen der Freude bedecken ihr Gesicht und sie wünscht sich, dass dieser Moment nicht endet – noch so lange bis sie ihren Mann wieder zu Hause hat. Sie schauen sich in die Augen und da erkennt sie, wie müde und abgekämpft er aussieht und wieder muss sie mit den Tränen kämpfen. Stefanie blödelt inzwischen mit ihrem Ingo herum – solche Sorgen wie Cordula hat diese junge Liebe noch nicht.

    005-Kasernengelaende

    Nach zwei Stunden ist der befohlene Abschied und nur schwer können sich die Paare trennen. Die Befehle der Alu-Generäle sind unerbittlich und schon bald setzt sich erneut ein Pulk junger Frauen durch den kleinen Ort in Bewegung – diesmal jedoch in umgekehrter Richtung zum Bahnhof und auch nicht mehr so schwatzhaft, eher still und nachdenklich, teilweise auch etwas verheult. So geht es zurück. Noch einmal die lange Fahrt, diesmal in teilweise überfüllten D-Zügen. Es ist Sonntagabend und die ersten Bauarbeiter, Studenten und Wochenendbesucher haben sich auf den Weg zu ihren Zielen gemacht. Spät abends kommen Stefanie und Cordula in Hohnstadt an. Der letzte Zug nach Hennehof ist weg. Stefanie nimmt Cordula mit zu sich nach Hause und bettet sie im elterlichen Haus auf die Wohnzimmercouch zum Schlafen. Morgen geht der Alltag wieder los. Cordula hat Spätschicht, Stefanie muss nochmal in die POS (sie überlegt die erste Stunde zu verschlafen) und Arne und Kathrin haben ihre letzten beiden Berufsschulwochen.

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  • Montag - Berufsschule

    Die willkommene Abwechslung eines (fast) jeden Lehrlings der umliegenden Dienststellen. Die Berufsschule. Zwei Wochen geregelte Arbeitszeiten, garantierter Feierabend inclusive – vorausgesetzt es meldet sich niemand von der Dienststelle. Sondereinsätze oder Extraschichten nach dem Unterricht sind keine Seltenheit.

    000-Berufsschule

    Arne und Kathrin gehen auf dieselbe Schule, aber nicht in die gleiche Klasse. Unterrichtsbeginn für alle um acht Uhr. Heute Fahnenappell, wie jeden Montag. Man solle bitteschön im FDJ-Hemd erscheinen. In der Wäsche oder kaputt gerissen während des letzten Arbeitseinsatzes sind die beliebtesten Ausreden für das (meist absichtliche) Vergessen des blauen Kleidungsstückes. Arne scholzt kann sich nicht erinnern, wo er das Uniformteil der Kaderreserve der Partei hinverlegt hat und danach suchen will er natürlich auch nicht. Es könnte sein, dass es immer noch in Hintenrums neuer Karre liegt und während der sich überstürzenden Ereignisse „abhanden gekommen“ ist. Kathrin trägt lieber ihr schönes helles Oberteil, das passt viel besser zu ihren Hosen als dieses komische Blau. Die neidischen Blicke ihrer Schwester entgehen ihr nicht, als sie zusammen mit Arne das Haus verlässt und sie sich auf den Weg machen. Tja, Stefanie muss das Blauhemd natürlich noch in der Polytechnischen Oberschule anziehen – ganz im Gegensatz zu ihrer Schwester. Auf den Dienststellen (vor allem auf den kleineren und ländlich gelegenen) ist man doch froh, dass überhaupt jüngere Kolleginnen zu finden sind. Dementsprechend sind dann auch die eingeräumten kleinen Zugeständnisse, manchmal zum Neid der wesentlich älteren Stellwerkswärterinnen, die sich dann auch gern mal bei der Dienststellenleitung beschweren. Aber was nützt es? Nicht selten war es doch so, dass die Älteren sich mit der neuen Technik und den entsprechenden Weiterqualifikationen schwergetan haben und sich dann „Du hattest die Gelegenheit und sie nicht genutzt, jetzt sind die Jüngeren am Zug.“ oder ähnliche Sätze anhören mussten. Warum sollte also der Leiter der Dienststelle es sich mit den Jüngeren verscherzen, wenn er gerade wegen diesen Damen ruhigere Nächte haben konnte. Statistisch gesehen waren es auch diejenigen, bei denen es auf den elektromechanischen Stellwerken am wenigsten betriebsbeinflussende Vorkommnisse gab. Warum? Na ganz einfach – durch ihre Kinder haben die eine ganz andere Herangehensweise an Krisensituationen und sind extrem Multitaskingfähig. Aber so weit ist es bei Kathrin (und Arne) noch nicht, die sind jetzt erst einmal auf dem Weg zur Berufsschule.

    001-zurSchule

    Mit der Simme geht es durch die Stadt bis zur Berufsschule am Bahnhof. Dort angekommen das übliche Montagsgelaber von Direktor Blasewitz (von vielen auch Blasmichauf genannt). Dann geht es 8:15 Uhr zur ersten Unterrichtsstunde. Arne wird gleich seinen fehlenden Schlaf in Staatsbürgerkunde nachholen.

    Kathrin dagegen ist hellwach und aufgeregt Sie schreibt heute die erste schriftliche Prüfung. Eines der Thema Lichtraumprofil - Lademaßüberschreitungen. Zum Glück hatte sie darüber mit Katharina (der) Großen gleich in ihrer zweiten Woche in Hennehof gefachsimpelt. LÜ Anton, LÜ Berta, LÜ Cäsar, LÜ Dora im Bahnhof und auf der freien Strecke. Was steht im Bahnhofsbuch von Hennehof? Wo dürfen keine Lademaßüberschreitungen hingelenkt werden, wo dürfen sich keine oder welche Lademaßüberschreitungen in benachbarten Gleisen begegnen? Wie ist bei der Zugmeldung zu verfahren? Vorausmelden, nicht abmelden! Wie ist mit den Reisezugwagen aus oder für die Sowjetunion zu verfahren. Das ist LÜ Berta! Der VEB Waggonbau Ammendorf fertigt ständig neue Weitstreckenwaggons für die Sowjetunion. Auf ihrem Weg in das Bruderland verkehren sie natürlich mit entsprechender Lademaßüberschreitung. In Hennehof sind bei den nunmehr abgeschlossenen Bauarbeiten die Lichtraumprofile in allen Gleisen angepasst worden, so dass sich die Fahrmöglichkeiten für die verschiedenen Spezialtransporte erweitert haben. Das Bahnhofsbuch gibt hierzu die nötige Auskunft. In Mehlsdorf steht die Erweiterung des Lichtraumprofils allerdings noch aus. Hier dürfen alle Züge ab LÜ Berta nur über Gleis zwei fahren.

    002-Mehlsdorf

    Ein weiteres Thema sind die Bremsproben. Für Züge nach dem Zusammenstellen eines Zugverbandes, nach dem Kuppeln innerhalb des Zuges und nach dem Triebfahrzeugwechsel oder nach dem Richtungswechsel eines Zuges unter Beibehaltung des Zugverbandes, also nur einem Wechsel des Führerplatzes oder dem Hinzufügen einer Schlusslokomotive.

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    Um halb eins ist für Kathrin dann der Tag durch. Zur großen Pause geht sie mit Arne rüber zum Imbiss vom Werk zwei des Chemiefaserkombinates. Dort gibt es leckere Bratkartoffeln mit einer kalten Club-Cola. Beide haben es nicht eilig, die letzten beiden Stunden sind nicht so wichtig vor allen nicht vor den Ferien, Das wissen auch die Fachlehrer und nehmen auch keine wichtigen Themen mehr durch. Oft sieht man ganze Klassenkollektive auf dem Schulhof sitzen oder in der Mensa „Stillarbeit“ machen. Direktor Blasewitz sind diese Unterrichtsmethoden im Freien ein Dorn im Auge. Vor allem nach dem Vorfall am Bahndamm. Einige Schüler der Lokschlosserklasse des zweiten Lehrjahres haben sich regelmäßig in die Büsche des besagten Dammes zum Rauchen verdrückt. Auf dem Schulhof ist das Rauchen ja untersagt. Einen Aschenbecher gibt es in dieser Raucherecke nicht und die Kippen werden über den Zaun auf die Straße geschnipst. Das ging bisher auch immer gut. Allerdings erfasst der Luftzug eines vorbeifahrenden LKWs des VE Kraftverkehr Hohnstadt die glimmenden Reste einer Cabinett und beförderte diese auf das trockene Gras des Bahndammes. Die Hitze und der aufkommende Wind taten ihr Übriges. Der anschließende Feuerwehreinsatz mit dazugehöriger Sperrung des Überholgleises 21 sorgte nicht nur für Gesprächsstoff unter den Schülern, sondern auch innerhalb einer kleineren Runde unter sechs Augen mit Direktor Blasewitz und zwei Herren einer gewissen Behörde.

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    Ein weiteres Thema dieses Gesprächskreises war auch die widerrechtliche Nutzung dieses Bahndammes zum Erreichen des Nachmittagszuges durch nicht wenige Schüler der Berufsschule. Die Abfahrt des Zuges um 15:08 Uhr lässt bei Nutzung des offiziellen Weges durch die Unterführung und der Schalterhalle des Bahnhofes ein rechtzeitiges Erreichen nicht zu, sodass entweder der Bus zu nehmen oder auf den nächsten Zug um 16:12 Uhr zu warten wäre. Beide Varianten sind für einige Schüler keine zufriedenstellende Alternative. Die Überschreitung von Gleis zwei und 21 stellen eine Gefährdung des Betriebsablaufes dar und gerade Schüler der Berufsschule der Deutschen Reichsbahn sollten dies wissen. Warum werde seitens der Schulleitung nicht darauf eingegangen? Eine Stellungnahme war seitens des Direktors zu schreiben. Auf dem Bahnsteig eins werde nun zur Nachmittagszeit verstärkt durch die Organe der Transportpolizei patrouilliert und man erwarte bezüglich dieses Thema keine Meldungen seitens dieser Kollegen mehr.

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    So stehen nun nicht nur oben am Bahnsteig Wachposten, sondern auch unten am Bahndamm der Hausmeister zur Abwendung von Gefahrensituationen bereit. Das stört Kathrin und Arne jedoch nicht, die beiden fahren mit ihrem Zweirad pünktlich kurz nach drei in ihren verdienten Montagnachmittag und vielleicht sogar für ein, zwei Stündchen zur Kiesgrube Janna.

  • Dienstunterricht

    Während sich die beiden werdenden Eltern Jungfacharbeiter am Badesee entspannen, sitzt das Hennehofer und das Mehlsdorfer Kollektiv auf einem gemeinsamen Dienstunterricht. Aus dem Buschfunk war zu vernehmen, dass dies wohl nicht der letzte seiner Art gewesen sein soll. Hennehof, Mehlsdorf und Zwintscheritz werden zukünftig eine gemeinsame Dienststelle sein, wo dann zumindest die U und K Vertreter auf allen zwei verbleibenden Fahrdienstleiter-Stellwerken arbeiten werden und die Fahrkarte in Hennehof wieder besetzt werden soll. Aber so weit ist es noch nicht. Es muss erst mehr Personal frei werden oder hinzu gewonnen werden.

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    Mit anwesend der schon bekannte Bauleiter der Gleisbautruppe „Roter Nagel“ und ein besonders wichtiger Herr von der obersten Bauleitung der Rbd. Außerdem ein Oberleutnant der Eisenbahnpioniertruppe. Es geht um den Streckenumbau und die Ankündigung der bevorstehenden Bauarbeiten auf dem Abschnitt Hennehof – Abzweig Zwintscheritz sowie um die Anbindung des Bahnhofes Mehlsdorf an das in Erweiterung befindliche Gleisbildstellwerk Neu-Zwintscheritz. Baubeginn ist bereits diese Woche, im letzten Dienstunterricht wurde es angekündigt – von den meisten jedoch wieder verdrängt. Nun ist man von der Realität umzingelt.

    Das Bahnhofsgleis zwei des Bahnhofs Mehlsdorf wird als erstes ertüchtigt, sprich komplett erneuert. Damit verbunden ist die Streckensperrung des linken Gleises von Hennehof durchgängig bis zum Abzw Zwintscheritz. Das käme aber etwas kurzfristig, wollte schon jemand in die Runde rufen, jedoch erinnerte man Frau sich an den letzten Dienstunterricht mit der verbunden Geschichtsstunde des Herrn Hahns und so blieb es dann doch ruhig.

    002-Streckensperrung

    Ab Donnerstagabend 20:00 Uhr wird das linke Streckengleis Hennehof – Zwintschewritz gesperrt. Der Bahnhof Mehlsdorf wird aus dem Bahnhofstarif gestrichen, ist damit keine Güterverkehrsstelle und somit auch keine Ladestelle mehr. Sämtlicher Wagenladungsverkehr wird dann über Hohnstadt abgewickelt, die Bedienung des Anschlusses Collid-Chemie erfolgt ebenfalls von dort aus. Gleis 19 der Bm sowie das Rampengleis 15 dienen zur Aufstellung von Bauzügen. Gleis 4 wird für die Abstellung von Materialzügen genutzt. Die Kleinlok bleibt zunächst in Mehlsdorf stationiert und wird im Auftrag der Gleisbauer eingewiesen und für die nötigen Rangierfahrten herangezogen.

    Nun kommt der Herr der Rbd zu Wort und erklärt noch einmal den Anwesenden die Notwendigkeit der Maßnahmen. Im Zuge der Umstrukturierung und zur Erleichterung des betrieblichen Ablaufes, erhält Zwintzscheritz einen zweiten Zugfunkkanal und Hennehof und Hohnstadt eine Zugfunkanlage. Wann der Baubeginn dafür ist, verrät er allerdings nicht.

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    Mit dem Abschluss der Bauarbeiten wird das Stellwerk B1 in Mehlsdorf offen gelassen und die Betriebsstelle als Stellbereich Mehlsdorf betrieblich dem Fdl Zwintzscheritz angegliedert. Zwischen Zwintzscheritz und Hennehof gibt es dann eine durchgehende Gleisfreimeldung. Dafür müssen die beiden durchgehenden Hauptgleise in Mehlsdorf komplett raus. Der Bettungswiderstand ist viel zu gering. Das Wärterstellwerk W2 bleibt als zeitweise besetzter Posten (Schrankenposten und Rangierstellwerk) erhalten.

    Ri-Zwintscheritz

    Am Freitag wird mit der Ertüchtigung und Erweiterung der Kabelkanäle auf dem Streckenabschnitt Zwintscheritz-Mehlsdorf begonnen. Der Umbau des Bahnhofsbereiches Mehlsdorf wird ebenfalls vorbereitet. In den Baugleisen wird nach und nach damit begonnen den kompletten Oberbau auszutauschen. Die neuen Weichen werden vorläufig an zwei Bauweicheneinheiten auf dem B1 in Mehlsdorf angeschlossen, so dass wir (Wer ist hier wir? - kommt der leise Einwurf) bereits in drei Wochen zwischen Hennehof und Mehlsdorf wieder zweigleisig fahren werden. Dies verkündet er mit wichtiger und siegessicherer Miene – man könnte meinen, er klopfe sich dabei selbst auf die Schulter.

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    Die neuen Signale werden unmittelbar vor den bisherigen Hauptsignalen aufgestellt und ausgekreuzt. Im Bahnhofskopf Mehlsdorf in Richtung Zwintscheritz wird das Weichentrapez komplettiert, soll heißen, es wird ein zweites Weichenpaar eingebaut. Dies soll eine Überschreitung der Gleise durch Beförderungsfälle Reisende zukünftig vermeiden, da genauso wie in Hennehof, alle Personenzüge künftig in Mehlsdorf nur noch über Gleis eins verkehren werden. Unausgesprochen bleibt (in den Köpfen der Anwesenden jedoch präsent), dass der Dienstposten der Aufsicht hier nun eingespart werden kann und das freigewordene Personal nach Hennehof versetzt werden kann wird (wer pflegt dann die Blumenpracht von Karin?).

    Im weiteren Verlauf der Bauarbeiten werden dann Stück für Stück die neuen Signale in Betrieb gesetzt. Für die Streckengleise zwischen allen drei Betriebsstellen wird mit dem Abschluss dieser (der ersten) Bauphase ein Gleiswechselbetrieb eingerichtet, über den die Fahrdienstleiter frei verfügen können. Es wird also künftig einfacher werden zu disponieren, wird wieder mit einem überlegenen Lächeln des wichtigen Herrn von der Rbd verkündet.

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    In der zweiten Bauphase geht es dann an das Gleis eins in Mehlsdorf. Dafür wird zunächst ein provisorischer Bahnsteig für Gleis zwei angelegt, um dann wieder durchgängig eingleisig zwischen Zwintzscheritz und Hennehof fahren zu können. Mit den sowjetischen Freunden ist abstimmt worden, das am 16.10. und 17.10. die Weichen 10 und 11 ausgebaut und durch neue elektrisch angetriebene ersetzt werden. Dazu wird auf dem W2 eine elektromechanische Bauweicheneinheit eingebaut werden. Das W2 wird im alten Gebäude später als ausschaltbares Anschlussstellwerk erhalten bleiben und der ein Wärter wird bedarfsweise dort Dienst haben, der zuständige Fdl sitzt dann in Neu-Zwintscheritz. Die Schranke wird gegen eine WSSB-Vollschranke ausgetauscht und erhält eine Signalabhängigkeit. Bei ausgeschaltetem Stellwerk W2 wird sie geschlossen bleiben und als Anrufschranke betrieben werden. Das Bediengerät dafür wird mit Ausschaltung des Stellwerkes W2 nach Zwintzscheritz umgeschaltet.

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    Alle Weichen und Signale in Mehlsdorf werden von Zwintzscheritz ausgehend neu nummeriert und die neuen Nummern werden provisorisch schon an den Signalhebeln und Weichenhebeln angebracht. Die Handweichen im Rangierbereich behalten ihre Nummern. Die Ausfahrsignale in Mehlsdorf in Richtung Zwintscheritz erhalten Lichtkästen für Zs7 und Zs8, ebenso die Ausfahrsignale in Hennehof in Richtung Mehlsdorf. Von Hennehof aus kommend werden direkte Einfahrten in die Anschlüsse des Militärs und der Collid-Chemie eingerichtet. Dazu werden an die Mehlsdorfer Einfahrsignale von Hennehof her und an die Ausfahrsignale Lichtkästen für Frühhaltanzeiger angebracht. Der neue Lageplan wird noch heute auf allen Betriebsstellen ausgelegt. Durch den Abbau die Erweiterung der Anlagen soll eine größere Flexibilität für die Anschlussnutzer in Mehlsdorf und insbesondere für den Reiseverkehr bei verringertem Personalaufwand erreicht werden. Mit dieser Modernisierung tritt für alle eine erhebliche Arbeitserleichterung ein.

    Und es wird daran erinnert, von welcher großen Bedeutung für die volkswirtschaftlichen Transportaufgaben der Deutschen Reichsbahn die bevorstehenden Maßnahmen sind und man von jedem einzelnen der Kollektive hohe Konzentration und Sorgfalt erwarte…bla, bla, bla.

    007-Feierabend

    Nach zwei Stunden ist die Besprechung zu Ende und mit der Erwartung einer weiteren Bauphase verteilt sich die erste Hälfte der Damen und Herren beider Dienststellen mit gemischten Gefühlen auf die umliegenden Ortschaften und genießen ihren wohlverdienten Feierabend. Nächste Woche kommen die Kollegen der heute diensthabenden Schichten in den gleichen Genuss.

  • In eigener Sache: Es hatte etwas länger gedauert mit der Fortsetzung. Grund war eine kleinere Datenpanne, der einige Teile der Geschichte zum Opfer gefallen waren. Jetzt ist alles wieder soweit hergestellt, bzw. neu geschrieben und die Geschichte kann ihre Lauf nehmen. Hoffentlich wiederholt sie sich nicht...so wie gerade in der Realität.:sleeping:

    Die letzten beiden Wochen Berufsschule-erste Woche – Teil 2

    Dienstag ist für alle Protagonisten ein ganz normaler Schultag. Kathrin und Arne warten das Unterrichtsende in der Berufsschule und Stefanie in der POS ab. Die jeweiligen Klassenleiter wollen wissen, ob man sich was die Abschlussfeiern überlegt hätte. Im Gespräch sind die Koga und der Besen.

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    Die Koga könne man noch für den Freitagabend buchen, der Besen wäre nur in Verbindung mit der Freitagabend-Disco nutzbar, den Vereinssaal könne man anfänglich abtrennen. Mehrheitlich entscheidet man sich für den Besen und Klassenleiter Glatte lässt seine Beziehungen zum Wirt des Etablissements spielen (irgendwas war da mal mit seiner Tochter und einer Abschlussnote in Staatsbürgerkunde). Vitamin B schadet nur dem, der keines hat und so ist der Saal für Freitag ab 19:00 Uhr reserviert.

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    Kathrin „darf“ heute noch nach Hennehof und löst zur Spätschicht dort Leo ab. Und weil Kathrin arbeiten darf, darf Arne sie auch mit seiner Simme hinbringen. Als die beiden den Stellraum betreten, werden sie von Simone und Claudia mit den Worten: „Da ist ja unser neues Hochzeitspaar!“, grinsend begrüßt. Arne wird rot und muss plötzlich „dringend“ los. Ja, tatsächlich hat er sich mit seinem Vater verabredet. Im Garten gibt es noch einiges zu tun. Er bleibt dann wohl bis morgenfrüh gleich dort draußen. „So ein hübscher Bräutigam.“, seuselt Claudia ihm im Gehen noch hinterher und das Füchsinnen-Grinsen taucht bei beiden Schwester fast gleichzeitig auf. Nach einer kurzen Übergabe beginnt der nachmittägliche Betriebsalltag, man Frau genießt den Normalbetrieb. Ab Donnerstag wird alles wieder anders laufen. Nach einer Stunde nimmt Simone das Nummernbuch und legt es Kathrin auf den Tisch. „Vergleich mal bitte. Ich lese vor, du nickst ab. Fahrstraße A1 - A2 0033, A3 - A4 0076, B1 - B2 7775…“ Bei F3 - F4 liest Simone 0363 ab. „Moment, nein das stimmt nicht. Hier steht 0368.“, sagt Kathrin.

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    Auf der Stirn der diensthabende Fahrdienstleiterin erscheinen die drei berüchtigten Falten. „Zeig mal her!“, sagt sie in ihrem typischen Tonfall, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es gern hätte. Über Kathrins Schulter gebeugt: „Tatsächlich! Wie kommt das denn?“ Man begibt sich auf Ursachenforschung. Wer hat da zuletzt Nummern gemacht? Aha – hier, der Herr Hahn war das. „Geh mal rüber und schau auch nochmal auf das Zählwerk.“, meint Simone zu Kathrin – sicher ist sicher. Kathrin schaut in das kleine Fenster des Zählwerkes oberhalb der Fahrstraßenhebel F3 - F4. „Ja, hier fehlen ein paar Nummern. Im Buch stehen fünf mehr.“ Die Füchsin will einen Versuch starten. Der Fahrstraßenhebel F3 - F4 steht senkrecht und sie drückt die Auflösetaste. Am Zählwerk ändert sich nichts, die 0363 bleibt. Jetzt drückt sie heftiger und ruckartiger und siehe da, die letzte Nummer springt einen Zähler weiter. Also nochmal so lange, bis dort auch die 0368 erscheint. „Siehste.“, meint Simone „Dieser Teil vom Hebelwerk stammt von 1927, da kann das Öl schon mal eingetrocknet sein. Deswegen kontrolliere immer genau, ob sich das Zählwerk auch mitbewegt. Ich schreib das mal auf, wenn die Signalwerker wieder hier auftauchen (und das werden sie ganz sicher), sollen die sich darum kümmern.“ Weitere Ungereimtheiten waren in dieser Dienstschicht nicht festzustellen und der Rest verlief eher unspektakulär. Mit dem Abendzug um 22:03 Uhr ging es zurück nach Hohnstadt – am Bahnhof hat sie ihr Vater abgeholt, der letzte Bus fuhr um halb neun.

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    Am Mittwoch schreibt Kathrin ihre nächsten Prüfungen.

    Zwei Themenschwerpunkte hatten die B u Vs heute zu bewältigen. Auf dem ersten Prüfungsbogen stand: Die Betriebsabwicklung von Zugfahrten. Die Grundlagen des Stellwerksdienstes, insbesondere das Sichern von Zug- und Rangierfahrten. Dabei wurden die Fahrwegprüfung mit den Prüfgrenzen und die Fahrwegsicherung mit Fahrstraßen, Hilfsfahrstraßen und die Einzelsicherung von Weichen gegen unbeabsichtigtes Umstellen mit Wort und in Plan abgefragt. Immer wieder in verschiedenen Lageplänen die Situation erfassen und richtig antworten. Auch gab es Fragen zum Zugmeldeverfahren. Hier zu Einträgen in die unterschiedlichen Zugmeldebücher für eingleisige und zweigleisige Strecken, zur Lenkung des Betriebsdienstes, zu Betriebsstörungen, zum Raumabstand, zum Blockabstand, zur Rückmeldung und zur Zuständigkeit bei der letzterem.

    Das Bedienen von Bahnübergangssicherungsanlagen war ein weiteres, sehr wichtiges Thema. Vor allem deren Funktionsfähigkeit besonders im Winter aufrecht zu halten, Warnsignale bei Störungen rechtzeitig geben oder den Betrieb sogar anzuhalten. Trotz der Anordnung des Verkehrsministeriums sind noch immer nicht alle Schranken signalabhängig! Woran das liegen mag, wurde bei der Prüfung allerdings nicht abgefragt.

    BU-Zwintscheritz-unten

    Das zweite große Thema war der Zugbegleitdienst. Was soll man mitführen? Was ist bei der Zugübernahme zu beachten, was sind die Aufgaben des Zugführers und was hat der Schaffner zu tun. Die Abfertigung am Bahnsteig, das Schließen der Türen, die zwei Systeme der Heizung, Meldung von Schäden, der Zugschluss, den Zug wieder abstellen und gegen abrollen und Vandalismus sichern sowie die Abrechnung der Fahrgeldeinnahmen. Als besonders schöne Antwort war auszuformulieren, wie der Zugbegleiter seine Aufgabe als Ansprechpartner für die Reisenden wahrnimmt. Die Arbeiten als Rangierer, vor allem auf Nebenbahnen, waren zu schildern und wozu der Zugführerschlüssel dienen kann. Das Betätigen von Weichen und Gleissperren beim Bedienen von Anschlussgleisen war in einer weiteren Frage zu erläutern. Zusätzliches Wissen über die Bereitstellung der Wagen an den Ladestellen und der Zugbildung wurden abverlangt. Zu guter letzt noch Fragen zur Bremsprobe. Einmal kurz - ist kurz immer gut? Alles Zeug, was Kathrin kaum interessiert, dafür den Arne etwas mehr.

    Bei den Tariffragen kamen nur die Arten der Fahrkarten und deren Entwertung dran. Endlich Schluss und nach Hause für heute. Nächste Woche werden alle sehen, ob es gereicht hat. Ach nein, nicht nach Hause. Im Sekretariat erfährt sie, dass sie nächste Woche Dienstag wieder die Spätschicht von Ilona auf dem B1 in Hennehof übernehmen „darf. Arne erhält seinen Termin zur Kleinlokprüfung. Donnerstag nach der letzten Berufsschulwoche soll er sich wieder in Wahrensberge einfinden. Dort erfolgt an diesem Tag die theoretische, am Freitag die praktische Prüfung für die Kleinlok. Danach soll er zunächst auf der Kleinlok in Mehlsdorf eingesetzt werden. Außerdem soll mit dieser Lok auch die Bedienung des Anschlusses Collid-Chemie erfolgen.

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    Eine Einweisung in die betrieblichen Besonderheiten, insbesondere wegen der dort stattfindenden Umbauarbeiten des Bahnhofes Mehlsdorf wird er noch erhalten. Seine Einsatzstelle wird Hohnstadt sein, die dem Bw Wahrensberge untergeordnet ist. Ein Wechsel von den Roten (B- und V-Dienst) zu den Blauen (Triebfahrzeugführer) wird ebenfalls in die Wege geleitet.

    Am Mittwochnachmittag hat Stefanie ihren Termin beim Bahnarzt. Ihr Gesundheitszustand ist nun der letzte Punkt, der einen Lehrvertrag mit Ziel ein Facharbeiter für Eisenbahnbetrieb mit Abitur zu werden, im Weg stehen könnte. Aber was soll bei einer so aufgeweckten und sportlichen jungen Dame auch schon sein? Bei der Untersuchung kam man zu keinen neuen Erkenntnissen. Stefanie ist top in Schuss. Das weiß sie doch selbst. Die ist fit in allen Belangen, vor allem ihr Mundwerk ist besonders gut in Form.

  • Die letzten beiden Wochen Berufsschule-erste Woche – Teil 3

    006-Berufsschule

    Der Donnerstag soll der nochmaligen Vorbereitung der letzten schriftlichen Prüfungen am Freitag dienen. Ein lockerer Tag zu Themen des Reiseverkehrs sollte es werden. Die Fachlehrerin für Verkehrsdienst wiederholt nochmals die wichtigsten Themen. Dabei kamen neben den Tarifsachen und Abrechnungsvorschriften auch der Fahrkartenverkauf aus dem Block und aus den verschiedenen Druckertypen zur Sprache.

    Was tun, wenn man aus dem Pautze-Drucker die Druckerplatte nicht wieder rausbekommt? Der Polygraph-Walzendrucker das große Rennen bekommt oder wenn der alte AEG-Drucker (auch Walzen-oder Schalterdrucker genannt) mal wieder hängen bleibt. Alles Fragen, die die Lehrlinge wirklich interessieren und in der Praxis immer mal wieder zu klären sind. Vor allem, wenn man nun bald allein auf der Dienststelle sein wird und keiner mehr da ist, den man fragen oder der einem helfen kann. Dann steht man/Frau in der blauen Kittelschürze ziemlich blöd da, wenn die Reisenden einen dann durch die Scheibe anglotzen und der Zug draußen schon einfährt. Alles Ängste und Sorgen, mit denen sich viele konfrontiert sehen.

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    Weiter geht es mit der Schalterabrechnung. Ein furchtbares Thema, vor allem, wenn es wieder länger dauert und die ersten ungeduldigen Fahrgäste an die Schalterscheibe klopfen. Zum Glück ist in den Übergabezeiten immer die Gardine zugezogen. Trotzdem ein blödes Gefühl, vor allem dann, wenn mal wieder einer denkt, zwei Minuten vor Abfahrt seines Zuges noch schnell eine Arbeitermonatskarte bekommen zu müssen. Dann muss es schnell gehen, alle sollen ihre Pappen bekommen und am Abend soll dann die Kasse auch noch stimmen. Auch wenn auf der kleinen Blockstelle mit Fahrkartenausgabe der EZ1 mal wieder voll mit geraspelter Pappe ist.

    Ruhe behalten, nicht nur in den drei Unterrichtsstunden jetzt. Hier wird jetzt noch einmal ohne Druck, der Druck auf die verschiedenen Pappen ausführlich erklärt. Schön, wenn vor allem weiter fortgeschrittene Lehrlinge auch hier schon ihre Erfahrungen mit einbringen konnten. Natürlich am Ende noch der Hinweis der Fachlehrerin, dass die Zeit mit der generellen Befreiung vom Zuzahlen bei Kassenminus (für Lehrlinge) dann mit Übergabe der Facharbeiterzeugnisse natürlich vorbei ist. Da war er wieder, der Druck…

    008-EGHennehof

    Nach dem Reiseverkehr kam der allseits beliebte Stabü-Lehrer, zum Glück nur für eine Stunde. Sein ihm sehr wichtiges Thema: Der Umgang mit Dienstgeheimnissen gegenüber den Reisenden. Vor allem, wenn mal wieder etwas „schief“ gelaufen ist. Es wird nicht vor den Reisenden gemeckert und schon gar nicht über unsere Ampelkoalition Partei- und Staatsführung! Als ob das noch nicht gereicht hätte: Das Verhalten am Schalter, im Zug und auf dem Bahnsteig gegenüber Reisenden aus nichtsozialistischen Ländern! Endlich war der weg (…und Westgeld kann doch jeder gebrauchen, oder nicht?).

    Zur letzten Stunde kam der Lehrer für Elektrotechnik und Technik. Der hatte wenigstens ein schönes Thema: Der neue Verkaufsautomat, von dem die ersten zwei Exemplare im Rba-Bezirk in Hohnstadt und schon bald auch in Hennehof eingebaut werden sollen.

    Daran werden sich die künftigen Betreuer und auch die Reisenden erst einmal gewöhnen müssen. Die Verkaufsschalter sollen aber weiterhin besetzt bleiben. Es gibt so viele Reisende, die eine Auskunft oder Hilfe bei der Vorbereitung ihre Reise benötigen. Ideal für nette Damen mit großem Mundwerk. Am Ende war man sich einig, dass dies das schönste Thema des Tages war. Endlich 14:00 Uhr und Feierabend. Schnell runter zum Tor, Arne wartet bereits schon und es geht schnell nach Hause, denn da haben sie SFB.

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    Vati ist nämlich mit Stefanie schon gleich zum Bahnhof in das dortige Lehrmeisterbüro gefahren und haben dort den Herrn Lehr kennenlernen dürfen. Nach Vorlage des bahnärztlichen Attestes schmücken kurz darauf drei Unterschriften ihren Lehrvertrag zum Facharbeiter für Eisenbahnbetrieb mit Abitur. Damit sind alle Beteiligten erst einmal zufrieden. In ein paar Wochen wird sie zum ersten Unterrichtstag in der bekannten Berufsschule erscheinen. Ihre Heimatdienststelle wird Hennehof sein.

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    In Mehlsdorf sind bereits die ersten Bauzüge eingetroffen und wurden ihren Stellplätzen zugeordnet. Heute Abend beginnt dann die Streckensperrung des linken Gleises zwischen Hennehof und Abzw Zwintscheritz. Fahrdienstleiter Kugel schaut aus dem Fenster und ist in Gedanken verloren. Er wird seinen gemütlichen (gewohnten) Arbeitsplatz vermissen, aber irgendwie wieder auch nicht. Keine Plackerei mehr mit den Hebeln – gerade im Winter sind die Einfahrweichen besonders störrisch. Unzählige Male musste er deswegen Nummern schreiben oder selbst zum Auskehren nach unten gehen. Nicht immer erhielt Mehlsdorf rechtzeitig Schneeräumkräfte. Und wenn er schon gerade an Winter denkt – die vereiste Treppe muss er auch nicht mehr räumen oder sich bei der Spätschicht den Knöchel verstauchen, weil er von der vorletzten Stufe abgerutscht ist, ganz zu schweigen von der elendigen Heizerei. In Neu-Zwintscheritz soll es eine Zentralheizung geben und warmes Wasser aus der Leitung. Das Klo wird dann wohl auch nicht mehr einfrieren. Gerade während der ganz kalten Jahreszeit hat man sich das nachts dreimal überlegt, runterzugehen und sich auf den kalten Lokus zu setzen. Alles auch Gründe dafür, dass hier keine Frauen arbeiten durften. Apropos… In Zwintschritz wird er die schicken Damen aus Hennehof dann öfter sehen und sogar die eine oder andere Schicht mit denen zusammen ableisten dürfen. Er hatte doch hier letztens erst Besuch von einer. Außerdem ist er dann nicht mehr die ganze Schicht allein und auf sich selbst gestellt. Ach…so schlimm ist es gar nicht die paar Kilometer weiter zur neuen Dienststelle – zum neuen Arbeitsplatz – fahren zu müssen. Hennehof klingelt mit Zugmelderuf und reißt Kugel aus seinen Gedanken.

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    Freitagvormittag darf Kathrin ihre letzten Prüfungen schreiben. Hätte man die Woche nicht mit so einem entspannten Tag wie gestern ausklingen lassen können? Nein! Genau auf einem Freitag müssen die Prüfungsarbeiten in Staatbürgerkunde und im Reiseverkehr geschrieben werden! Neben dem ganzen roten Gewäsch möchte man auch gleich das Ausschreiben von Blankofahrkarten im Zug und die Schalterabrechnung wieder mit vergessen. Alles solche blöden Themen, die man Frau nicht wirklich im Leben braucht.

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    Am Nachmittag ist Vati Knappschritt dann wieder unterwegs, diesmal mit beiden Töchtern und dem Herrn Sippenlos. Beim Staatlichen Notariat wird alles Nötige für die Übernahme der Fahrzeugbestellung an Stefanie beim IFA-Vertrieb in die Wege geleitet. Für die Überschreibung des 600er Kombis an Kathrin hatte schon die Unterschrift von Ottmar Sippenlos in einem Kaufvertrag am Sonntagnachmittag bei den Knappschritts und die Übergabe der Zulassung und des Kraftfahrzeugbriefes gereicht. Nach kurzer Beratung und dem nötigen Schriftkram steht die „kleine“ Tochter Knappschritt dann im Testament von Otmar Sippenlos. Er fühlt sich an dem Unfall der Knappschritts immer noch irgendwie schuldig, da möchte er ihnen wenigstens etwas Gutes tun. Wem auch sonst – er hat ja keinen, dem er etwas vererben kann?! Gemeinsam geht es anschließend noch ins Koga. Das ist eine willkommene Abwechslung für den rüstigen Rentner. Mit so vielen jungen Leuten hat Otmar Sippenlos schon lange nicht mehr an einem Tisch gesessen. Nach einer Stunde gehen alle zufrieden ihrer Wege. Die Knappschritts haben beschlossen mit dem Herrn Sippenlos im Kontakt zu bleiben, was der mit dankbaren Blicken entgegengenommen hat.

    Heute sind außerdem sind die Abschlussfeiern der zehnten Klassen der POS sowie der Abschlussklassen der Berufsschule im Besen. Der öffentliche Tanzabend wurde abgesagt und die Schüler werden „unter sich“ sein.

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  • Zweite Woche Berufsschule – Teil 1

    Montag

    Der montagmorgendliche Fahnenapell hatte nur ein eigentliches Thema. Das unmögliche Benehmen einiger Jugendlicher während der Abschlussfeierlichkeiten im Besen. Die extra angerückte Funkstreife musste zu später Stunde darauf hinweisen, dass lautes Grölen von Liedern mit rechtsradikalen Inhalten, die der Partei- und Staatsführung nicht zuträglich sind, dem Ansehen der Deutschen Reichsbahn und der Jugend schade. Direktor Blasewitz machte seinem Namen alle Ehre und blies sich auf. Einige der junge Herren der Lokschlosserklasse steckten dabei ihren Daumen in den Mund, gingen leicht in die Hocke und bliesen bei jedem Wort des Direktor künstlich in den selbigen und kamen mit jedem Wort aus der Hocke nach oben. So lieferte diese Gruppe für den heutigen morgen die Choreografie – sehr zum Missfallen des vorstehenden Redners. Gelächter und Gejohle. „Euch wird das schon noch vergehen.“, meinte dieser dann auch noch ernst an alle gerichtet und verließ seinen Platz. „Egal ob 3 oder 4 gebraucht wirst du hier.“, schallte es aus der Gruppe nochmals über den Platz. Jeder der anwesenden weiß, dass sie schon fest in den Dienstplänen ihrer Heimatdienststellen verplant sind – egal, welchen Abschluss sie hier erzielen werden. Und die Obrigkeit weiß: Für die Sicherheit des betrieblichen Ablaufes bei der Eisenbahn ist dann ohnehin jeder an seinem Arbeitsplatz selbst verantwortlich. Mit einem Bein steht diese Berufsgruppe nach jeder Dienstübernahme immer im Knast. Und das schon mit 18 oder 19 Jahren.

    001-Berufsschule

    Die morgendliche Zusammenkunft war nun beendet und der Schulalltag begann. Nichts Aufregendes mehr. Für die Abschlussklassen begann die Auswertung der zwei zurückliegenden Lehrjahre. Alles ganz locker. Außer in Stabü, dort durfte jeder schriftlich wiedergeben, welche Erwartungen er/sie an sich selbst stelle, in Bezug auf die Erfüllung des Transportauftrages zur Stärkung der DDR als Weltwirtschaftsmacht. Jeder wusste, dass diese Arbeit mit keiner Note mehr berücksichtigt wurde – man wusste aber auch, dass ein Nichtmitschreiben in der Dienstakte „berücksichtigt“ wurde, auf die eine oder andere Weise. So wurden sich schöne Sprüche ausgedacht und auswendig gelernte Phrasen niedergeschrieben. Nach einer Stunde war diese Tortur glücklicherweise vorbei.

    In Mehlsdorf wurde heute damit begonnen die Handweiche 22 sowie die bisher an das W2 angeschlossenen Weichen drei, vier und fünf auszubauen. Die Arbeiten waren anstrengend und jeder Einzelnen war gefordert. Der Schienenkran war auf der anderen Bahnhofsseite mit dem Wechseln der alten mechanischen Weichen 9 bis 15, gegen neue elektrisch angetriebene Weichen, beschäftigt. Den einzigen Kran, der für dieses Unterfangen zur Verfügung stand, war der kleine Hilfskran des SKL. So wurden die Schienenstränge in kurze Einzelstücken zerlegt und die Schienenstöße zunächst provisorisch gelascht.

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    Dienstag

    Heute ist Kathrin „allein“ in der Berufsschule. Arnes Klasse hat heute „Wandertag“. Einsatz in den Räumen der Dienstunterweisungen am Güterbahnhof. Aufräumen, Ausmisten und im Freigelände Unkraut beseitigen. Nichts für Arne, er hat „dafür gesorgt“, dass ihm eine Sonderaufgabe zugeteilt wurde. Zusammen mit seinem Kumpel Bolle Ingo Bernütz ist er unterwegs, um neue (alte) Dienstvorschriften, Wagenbücher, Fahrpläne und Kursbücher für den Unterlagenschrank zu holen. Das dauert natürlich. In der Güterabfertigung ließen sich die Wagenbücher, Laufzettel und Ladepapiere nicht gleich finden. Erst musste mit Bruno die trockene Luft befeuchtet werden, dann ging es zu Olga Mizellnik ins Büro. Im untersten Fach des Materialschrankes lag dann das begehrte Altpapier und die Herren warteten geduldig und an einer guten Position, von der sie den Überblick behalten konnten, ab, bis die gebürtige Danzigerin ihnen alles ausgehändigt hatte.

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    Gegen zehn ging es dann rüber zum Hohnstädter B2. Hier ließ man sich schnell und ohne viel Worte neue Fahrdienstvorschriften übergeben und verschwand anschließend zur Pause in die naheliegende Kantine. Nach einer Stunde wurde es Zeit zum Bahnhof vorzulaufen und die Kursbücher des letzten Jahres aus der Auskunft und Fahrkartenausgabe abzuholen. Natürlich erst nach wichtigen Fachgesprächen auf der Raucherinsel der Aufsicht mit seinen alten Kollegen Strangowitz und Rita aus der Fka.

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    Gegen halb zwei waren beide mit zwei vollen Taschen Altpapier zurück. Was so lange gedauert hätte, fragte Frau Kannen, die stellvertretende Lehrmeisterin. Als Arne die dritte glaubhafte Ausrede auftischen wollte, winkte die nur mit den Worten „Ach Stenzer, immer dasselbe.“ ab. „Na ab nächste Woche wird es ernst, dann kommen Sie mit sowas nicht mehr durch. Sie werden schon sehen.“, drehte sich um und ließ die beiden einfach stehen. Nicht so schlimm, genügend Glimmstengel hatte Arne noch dabei, um die restliche Zeit bis drei sinnvoll nutzen zu können.

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    Während Arne noch auf den Feierabend wartet, hat Kathrin schon die erste Stunde ihrer Spätschicht hinter sich. Heute mit Karola und einer betrieblichen Sondersituation, die Kathrin so bisher noch nicht kannte und auch in keinem Unterrichtsthema in der Berufsschule erwähnt wurde.

    In Mehlsdorf sind die Bauarbeiten im vollen Gange. Das komplette Gleis zwei wurde mit seinen alten Stahlschwellen heraus genommen. Im Moment wird der Untergrund ertüchtigt und erhält neuen Schotter. Außerdem läuft die Ertüchtigung und Erweiterung der Kabelkanäle für die Signal- und Sicherungsanlagen zwischen Zwintzscheritz und Mehlsdorf auf Hochtouren. Für diese und alle anderen Umbauarbeiten wurde der durchgängige eingleisige Betrieb von der letzten Weiche des Abzweig Zwintzscheritz bis zur Einfahrweiche Hennehof aus Richtung Mehlsdorf in der letzten Woche eingeführt. Dies betrifft alle drei Zugmeldestellen.

    Fahren und Bauen ist die Devise und das verlangt von allen Beteiligten höchste Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ab. Sich den Bahnhof zuzufahren ist dabei das geringste Problem. Von Zwintzscheritz aus in Richtung Hennehof wird auf Ersatzsignal ohne Streckenblock gefahren. Nur das Rückmelden der Züge zwischen den drei Zugmeldestellen und die Fahrwegprüfung sichern die Zugfahrten auf dieser Hauptstrecke zumindest in diese Richtung ab.

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    Hier kommt es auf die exakte Dienstausübung aller Beteiligten an. Darüber hinaus soll das Anschlussgleis für das Militärgelände in Mehlsdorf aus Richtung Hennehof ständig erreichbar sein. Genauso sollen die Baumaschinen - und Materialtransporte zur Baustelle jetzt nur über das linke Streckengleis von Hennehof aus als Sperrfahrt erfolgen. Zur Absicherung der Falschfahrten kommt an der Einfahrt Mehlsdorf in Höhe des Signals A links vom Gleis Mehlsdorf - Zwintzscheritz und in Höhe des Signals F in Mehlsdorf rechts von Gleis eins eine Schachbretttafel zur Aufstellung. Diese Signale gelten für alle Züge, die das Mehlsdorfer Gleis eins, welches normalerweise nur in Richtung Zwintzscheritz befahren wird, jetzt auch in Richtung Hennehof (Gleis zwei ist gesperrt und schon ausgebaut) befahren. Die Aufsicht in Mehlsdorf braucht dafür keine Befehle austragen. An den schon erwähnten Signalen A und F wird für die Fahrten Richtung Hennehof zur Freigabe das Ersatzsignal gezeigt, so steht es in der Betrieblichen Anweisung (Betra). Zeitrelais schalten diese Ersatzsignalbegriffe nach 60 Sekunden wieder ab, dann gilt wieder das Halt des Signalbegriffes des Nachbargleises.

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    Um den Durchsatz der Strecke trotz der Bauarbeiten einigermaßen aufrechtzuerhalten, wird nun nach dem sogenannten Blockprinzip gefahren – je drei Züge (im Block) in eine Richtung, dann erfolgt ein Wechsel. Als Kathrin den Stellraum betritt, fährt gerade in Richtung Hohnstadt der 65333 durch Gleis zwei. Nachdem das Einfahrsignal B in Hennehof auf Halt gewechselt hat, meldet Leo den 65333 mit Karolas Zustimmung nach Mehlsdorf zurück. Der Dispatcher hatte bereits den Richtungswechsel bekanntgegeben. Die drei beteiligten Zugmeldestellen wurden gemeinsam gerufen und hörten über die Dispatcheranlage mit. Nachdem der Dispatcher die ungeteilte Aufmerksamkeit erhalten hatte, teilte der die Reihenfolge der Züge und vor allem die Zugnummern für den Richtungswechsel mit. Leo hatte diese Nummern notiert und zeigt sie Kathrin. Damit verbunden erklärt er ihr die Verfahrensweise dieses Prinzips. Nach dem 65333 geht es beginnend mit dem 850, welcher gerade von Hohnstadt aus vorgeblockt aus wurde, danach folgt der Personenzug 3384, mit dem Kathrin heute zum Dienst gekommen ist und der schon seit mehreren Minuten in Gleis eins hier in Hennehof warten darf. Als dritter im Bunde darf sich 67678 in Bewegung setzen, welcher seit Längerem schon in Gleis 4 steht. Damit hat Leo seinen Dienst an Kathrin übergeben und sie darf sich mit der neuen Situation schnell anfreunden, denn etwas anderes bleibt ihr auch nicht übrig.

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    Edited once, last by SK2 (February 10, 2024 at 1:52 PM).

  • Wieder mal die 10.000 voll....X/

    Hier der Rest 8o

    Der 65333 ist weg, das ist erledigt. Jetzt den 850 melden. Kathrin ruft Mehlsdorf, es knackt in der Leitung: „Mehlsdorf Kugel“ : „Guten Tag Kollege, Hennehof Knappschritt, Zug 850 in Hennehof vorausichtlich durch 5.“ Darauf Fdl. Kugel in Mehlsdorf: „Guten Tag, ich wiederhole, Zug 850 in Hennehof voraussichtlich durch fünf.“ : „Richtig Schluss.“ : „Schluss“ und damit ist die Zugmeldung des ersten Zuges für Kathrin erledigt. Kathrin gibt zu Karola weiter: „Der 850 kann kommen.“ Karola nickt und macht die Ausfahrt in Richtung Mehlsdorf. Von Weitem hört man das Dröhnen einer 132, die schnell näherkommt und durch Gleis drei eilt. Nach vier Minuten ruft Mehlsdorf: „Mehlsdorf Kugel, Zug 850 in Mehlsdorf.“ Kathrin, nach einem kurzen Blick zum Pult, zu Karola: „850 in Mehlsdorf.“ Karola nickt zustimmend und Kathrin setzt die nächste Zugmeldung nach Mehlsdorf ab: „Zugmeldung: Zug 3384 in Hennehof vorausichtlich ab 15.“ Der Mehlsdorfer Fahrdienstleiter bestätigt das Gehörte. „Ich wiederhole, Zug 3384 in Hennehof voraussichtlich ab fünfzehn.“ „Richtig Schluss.“ : „Schluss“. Karola macht Ausfahrt aus der eins und der Personenzug setzt sich in Bewegung. Der Dispatcher quäkt aus dem Schwanenhals: „Zwintzscheritz, Mehlsdorf, Hennehof!“

    Kathrin reagiert und drückt die grüne Taste am Sprechgerät: „Hennehof hört.“ Von Zwintscheritz eine Frauenstimme: „Zwintzscheritz hört.“ Und: „Mehlsdorf hört“ Der Dispatcher teilt die nächsten Zugfahrten mit. „Nach dem 67678 Richtungswechsel. Zuerst der 20913, dann der 88783, ein Abspanner in Hennehof und danach der 3387.“ Aus dem Kasten ist zu hören: „Zwintzscheritz verstanden, nach dem 67678 der 20913.“ „Mehlsdorf verstanden“ „Hennehof verstanden“ sagt Kathrin und hat die Ziffern notiert und ihrer Fahrdienstleiterin mitgeteilt. Somit beginnt das Prozedere aus der Gegenrichtung. Immer im Wechsel und Blockweise durchqueren zwei bis vier Züge hintereinander in eine Richtung den Bahnhof Hennehof. Für Kathrin eine neue Erfahrung und Bereicherung ihres beruflichen Alltages. Um 22:00 Uhr ist ihre Schicht zu Ende und sie macht sich müde auf dem Heimweg. Morgen ist schon Mittwoch, bald ist Wochenende. Kathrin lächelt etwas erschöpft, als sie am schmutzigen Fenster des Bghwe-Wagens Platz nimmt und kurz darauf das B1 in verschwommenen Umrissen der Nachtbeleuchtung an ihr vorbeizieht.

    009-Heimfahrt